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Diabetes mellitus – Theorie & Pflege

📋 Generalistische Pflegeausbilding Lehrjahr 1
🗺️ Das große Bild – Diabetes mellitus im Überblick
🌳 Stammbaum – Diabetesformen im Überblick
DIABETES MELLITUS Typ 1 Autoimmun | ~5-10% Absoluter Insulinmangel Typ 2 Insulinresistenz | ~90% Relativer Insulinmangel Typ 4 Gestations- diabetes Sonstige Typ 3 Gemeinsam allen Formen: Chronisch erhöhter Blutzucker (Hyperglykämie) Deutschland: ~7 Mio. Diabetiker | ~560.000 Neuerkrankungen/Jahr | ~16% unentdeckt | Typ 2 = 90%
Definition: Diabetes mellitus = Stoffwechselerkrankung mit dauerhaft erhöhtem Blutzucker (Hyperglykämie) durch Mangel am Hormon Insulin und/oder verminderter Insulinwirkung. Name: griech. „diabaínein" = hindurchfließen, lat. „mellitus" = honigsüß.

🔑 Warum ist Diabetes pflegerelevant?

  • ~7 Mio. Betroffene in Deutschland (Volkskrankheit)
  • Hohe Dunkelziffer von mind. 2 Mio. unentdeckt
  • Typ 2 nimmt stark zu – auch bei Kindern/Jugendlichen
  • Pflegekräfte müssen Hypo- und Hyperglykämie erkennen
  • Insulininjektionen, BZ-Messung = Pflegeaufgabe
  • Wundheilungsstörungen, diabetisches Fußsyndrom
  • Wassereinlagerungen, Dehydration bei alten Menschen

🩸 Was ist Insulin und was macht es?

  • Einziges Hormon, das den Blutzucker senkt
  • Produziert in den β-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas)
  • „Schlüssel" → öffnet Körperzellen für Glukose
  • Wirkt auf Muskeln, Leber, Fettgewebe
  • Gehirn nimmt Glukose ohne Insulin auf (autark)
  • Gegenspieler: Glukagon (aus α-Zellen) → erhöht BZ
  • Insulin = Eiweißhormon → oral nicht aufnehmbar → muss gespritzt werden!
🔬 Diabetes Typ 1 & Typ 2 – Vergleich
📊 Vergleichstabelle Typ 1 vs. Typ 2
Kriterium 🔴 Typ 1 🟠 Typ 2
UrsacheAutoimmunerkrankung: Immunsystem zerstört β-Zellen → absoluter InsulinmangelInsulinresistenz der Körperzellen + erschöpfte Bauchspeicheldrüse → relativer Insulinmangel
Häufigkeit5–10 % aller Diabetiker | ~373.000 in D.~90 % aller Diabetiker | ~7 Mio. in D.
Alter bei BeginnMeist Kinder/Jugendliche (< 40 J.)Meist über 40 J. (früher „Altersdiabetes"); heute auch jünger
SymptomePolyurie, Polydipsie, Gewichtsverlust, Muskelschwäche, Übelkeit, Bauchschmerzen – schnell und deutlichMüdigkeit, Leistungsminderung, Juckreiz, trockene Haut, Wundheilungsstörungen – langsam/schleichend
LaborC-Peptid niedrig, Autoantikörper nachweisbarC-Peptid anfangs hoch (später fallend), keine Autoantikörper
StoffwechsellageEher labilEher stabil
TherapieImmer Insulin (lebenslang!), Ernährungsschulung, BE-Berechnung, ggf. PumpeStufenschema: Lebensstil → Metformin → weitere Antidiabetika → erst dann Insulin
Merke: Typ 1 = Absoluter Insulinmangel (A wie Autoimmun). Typ 2 = Relativer Insulinmangel (Re wie Resistenz). C-Peptid bei Typ 1 ↓ niedrig, bei Typ 2 anfangs ↑ hoch.
🔬 Pathophysiologie – Was passiert im Körper?

🔴 Typ 1 – Mechanismus

🦠
Trigger: Virusinfekt / Erbfaktor
⚔️
Autoantikörper greifen β-Zellen an
💀
β-Zellen zerstört → kein Insulin
📈
Blutzucker steigt unkontrolliert

Beschwerden erst wenn > 90 % der β-Zellen zerstört sind → dann plötzlich!

🟠 Typ 2 – Mechanismus

🍔
Übergewicht + Bewegungsmangel
🔒
Insulinresistenz: Zellen reagieren nicht
🏭
Pankreas produziert mehr → erschöpft
📈
Blutzucker steigt schleichend

Oft jahrelang unentdeckt → Routineuntersuchung findet es!

🤰 Gestationsdiabetes (Typ 4) & Sonderformen

🤰 Gestationsdiabetes (Typ 4)

  • Erstmals während der Schwangerschaft auftretend
  • Betrifft ~4 % aller Schwangeren
  • Tritt meist in der 24.–28. SSW auf
  • Hormonbedingte Insulinresistenz der Zellen
  • Normalisiert sich meist nach Entbindung
  • Diagnostik: Routine-BZ-Test + oGTT
  • Cave: Keine oralen Antidiabetika! → nur Insulin s.c.
  • 30–50 % entwickeln später Typ 1 oder 2!

🧬 Sonderformen (Typ 3)

  • LADA = Late Autoimmune Diabetes in Adults (Typ 1, aber erst im Erwachsenenalter)
  • MODY = Maturity Onset Diabetes of the Young (genetische Störung)
  • Durch Medikamente: Glukokortikoide (Kortison!) → hemmen Insulinwirkung
  • Durch Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse
  • Durch endokrine Erkrankungen (Hormonstörungen)
💉 Insulin – Arten, Applikation & Praxis
⚙️ Blutzuckerregulation – Insulin & Glukagon
NACH DEM ESSEN 📈 Blutzucker steigt Pankreas misst BZ-Anstieg β-Zellen schütten INSULIN aus 📉 Blutzucker sinkt ZWISCHEN MAHLZEITEN 📉 Blutzucker sinkt Pankreas misst BZ-Abfall α-Zellen schütten GLUKAGON aus 📈 Blutzucker steigt wieder
💊 Insulinarten – Überblick
Insulinart Wirkbeginn Wirkdauer Anwendung Farbe (Code)
Normalinsulin (Altinsulin)30 min (s.c.) / sofort (i.v.)4–6 Std.30 min vor Essen; Notfall i.v.🟡 Gelber Code
Schnell wirk. Analoginsulin10 min2–3 Std.Direkt vor/nach dem Essen🟡 Gelber Code
NPH-Insulin (Verzögerung)2–4 Std.8–12 Std.Optimaler Zeitpunkt: 22 Uhr🟢 Grüner Code
Mischinsulin30 min10–16 Std.20–30 min vor Essen; konventionelle Therapie
Langwirksames Analoginsulin1–2 Std.16–30 Std. (bis 24h)1x täglich; z.B. LantusKlar, kein Mischen nötig
Merke: NPH-Insulin ist trüb → vor jeder Injektion 20x durchmischen! Langwirksame Insuline sind klar → nicht mischen! Insulin wird in IE (internationalen Einheiten) dosiert.
🩹 Insulininjektionen – Praktisches Wissen

🗺️ Injektionsstellen

  • Bauch → kurzwirksames Insulin (schnell aufgenommen)
  • Oberschenkel / Gesäß → langwirksames Insulin (langsam)
  • Mind. 2 Querfinger Abstand vom Bauchnabel
  • Regelmäßig Stellen wechseln! (Spritzenkalender)
  • Verhindert Lipodystrophien (Unterfettgewebsveränderungen)

🧊 Lagerung

  • 2–8 °C im Kühlschrank (Seitenfach)
  • Nicht einfrieren, nicht Hitze aussetzen!
  • Im Gebrauch befindliche Pens: 3–4 Wochen bei Zimmertemperatur
  • Kaltes Insulin kann Schmerzen verursachen → auf Zimmertemperatur erwärmen

⚠️ Risiken / Fehler vermeiden

  • Penkanülen nicht wiederverwenden!
  • Hautinfektion: vor Injektion vollständig trocknen
  • Nach Injektion 10 Sekunden warten
  • Verstopfte/abgeknickte Kanüle → Unter-/Überzuckerung
  • Alkohol hemmt Zucker-Freisetzung der Leber → Hypoglykämiegefahr!

💉 Applikationsformen

  • Insulinspritze: klassisch, günstig
  • Insulinpen: handlich, diskret, exakte Dosierung
  • Insulinpumpe (CSII): kontinuierliche Infusion über Katheter; Katheter alle 2–3 Tage wechseln
  • CGM: Sensor misst minütlich Zucker im Gewebe (nicht Blut) → Algorithmus steuert Pumpe

🩸 Blutzucker selbst messen

  • Ring- oder Mittelfinger, Seitenkuppe
  • Ersten Blutstropfen wegwischen
  • Ohrläppchen auch möglich
  • Alternativ: CGM-Sensor (kontinuierlich)
  • Typ 1: mind. 4x täglich messen
  • Typ 2 (gut eingestellt): Stichproben
🔍 Diagnostik & Blutzuckerwerte
📏 Blutzucker-Normwerte & Diagnosegrenzen
🩸 Blutzucker-Skala (Nüchtern, mg/dl):
<60 Hypo
60–100 Normal
100–125 Gestört
≥126 Diabetes
≥200 Koma-Risiko

✅ Normalwerte

  • Nüchtern: 60–100 mg/dl
  • Postprandial (2h nach Essen): bis 140 mg/dl
  • HbA1c: 4–6 %
  • Therapieziel Typ 1: 70–120 mg/dl

⚠️ Gestörte Homöostase

  • Nüchternblutzucker: 100–125 mg/dl
  • → weiterer Test: oGTT empfohlen
  • HbA1c 5,7–6,4 % → Prä-Diabetes
  • Risiko für Typ-2-Entwicklung erhöht

❌ Diabetes-Diagnose

  • Nüchternblutzucker: ≥ 126 mg/dl
  • Tagesverlauf öfter > 200 mg/dl
  • Einmalig > 200 mg/dl + Symptome
  • oGTT nach 2h: ≥ 200 mg/dl
  • HbA1c: ≥ 6,5 %
Klausurzahlen merken: Nüchtern normal: <100 | gestört: 100–125 | Diabetes: ≥126 | Koma-Risiko: ab 250–300 | HbA1c Diabetes: ≥6,5 % | Hypoglykämie: <50 mg/dl
🧪 Diagnostische Methoden

🩸 HbA1c – Langzeit-Blutzucker

  • = Hämoglobin, an das Glukose angelagert ist
  • Spiegelt mittleren BZ der letzten 8–12 Wochen wider
  • „Blutzuckergedächtnis" / Langzeitblutzucker
  • Patient muss nicht nüchtern sein
  • Messung alle 3 Monate sinnvoll
  • HbA1c 7 % ≈ durchschnittlicher BZ 150 mg/dl
  • ≥ 6,5 % = Diabetes mellitus bestätigt

🧃 oGTT – Oraler Glukosetoleranztest

  • Trinken von 75 g Glukoselösung
  • BZ-Messung nach 2 Stunden
  • ≥ 200 mg/dl nach 2h = Diabetes
  • Standardtest für Gestationsdiabetes (24.–28. SSW)
  • Verfälschung durch: Medikamente, langes Fasten, schmutzige Hände!

🔬 C-Peptid – Typ-Unterscheidung

  • Nebenprodukt der Insulinproduktion
  • Wird in gleicher Menge wie Insulin produziert
  • Typ 1: C-Peptid ↓ erniedrigt (kein Insulin mehr)
  • Typ 2 (früh): C-Peptid ↑ erhöht (Mehrinsulinproduktion)
  • Typ 2 (Spätstadium): C-Peptid fällt ab (Pankreas erschöpft)

📋 Weitere Diagnostik

  • Autoantikörper-Test (bei Unsicherheit Typ 1 vs 2)
  • Urintest: Glukosurie (ab bestimmtem BZ-Wert), Albumin (Nephropathie)
  • Nierenwerte, Leberwerte (Folgeerkrankungen)
  • Regelmäßige Gewichtskontrolle + Waist-to-Hip-Ratio (WHR)
  • Sensibilitätstest: Neuropathie erkennen
  • Hautbeobachtung: Diabetisches Fußsyndrom
💊 Therapie – Typ 1 & Typ 2
🎯 Therapieziel & 3 Säulen
Oberstes Ziel: Möglichst normale Blutglukosekonzentration erreichen und halten, um Folgeerkrankungen zu verhindern + hohe Lebensqualität ermöglichen. Dazu braucht der Patient Eigeninitiative und Disziplin!

🥗 Säule 1: Ernährungstherapie

  • Kohlenhydratarme Kost bevorzugen
  • Zusammensetzung: 30% Fett, 55% KH, 15% Protein
  • Süßgetränke, Cola, Schokolade, Mais meiden
  • Berechnung in Broteinheiten (BE): 1 BE = 10–12g verwertbare KH
  • Regelmäßige Mahlzeiten

🏃 Säule 2: Bewegungstherapie

  • Regelmäßige Bewegung senkt Insulinresistenz
  • Empfohlen: Schwimmen, Radfahren, Spazierengehen
  • Gewichtsreduktion bei Typ 2 entscheidend
  • Cave: Sport → BZ kann sinken → Hypo-Gefahr!
  • Insulindosis ggf. vor Sport anpassen

💊 Säule 3: Medikamentöse Therapie

  • Typ 1: immer Insulin (zwingend)
  • Typ 2: erst Metformin (wenn kein Erfolg nach 3–6 Monate → nächste Stufe)
  • Orale Antidiabetika nur bei Typ 2!
  • Überprüfung des Erfolgs mit HbA1c
💉 Insulintherapie Typ 1 – Methoden im Vergleich

1️⃣ Konventionelle Therapie

  • Feste Zeiten, feste Dosis
  • Morgens + abends spritzen
  • Striktes Diätprogramm nötig
  • Wenig flexibel
  • → Eher für ältere Typ-2-Patienten
  • ✅ Vorteil: Nur 2x täglich spritzen
  • ❌ Nachteil: Unflexibel im Alltag

2️⃣ Intensivierte Therapie (ICT)

  • = Intensivierte Konventionelle Therapie
  • Basis-Bolus-Prinzip
  • Basis = langwirksames Insulin (1–2x tägl.)
  • Bolus = kurzwirksam vor jeder Mahlzeit
  • Dosis nach BE und aktuellem BZ berechnen
  • ✅ Flexibler Alltag möglich
  • ❌ Hohe Eigenverantwortung nötig

3️⃣ Insulinpumpe (CSII)

  • = Kontinuierliche Subkutane Insulininfusion
  • Katheter unter der Haut (alle 2–3 Tage wechseln)
  • Grundbedarf programmiert (läuft automatisch)
  • Bolus per Knopfdruck vor Mahlzeit
  • ✅ Kein tägliches Spritzen
  • ✅ Besonders gut für Kinder!
  • ❌ Katheter kann abknicken/entzünden
💊 Orale Antidiabetika – Typ 2 (nur Typ 2!)

Wichtigste Wirkstoffgruppen

  • 1. Metformin (Biguanide): 1. Wahl! Keine Unterzuckerung, fördert Gewichtsreduktion. NW: Magenprobleme. Cave: Niereninsuffizienz!
  • 2. Alpha-Glukosidase-Hemmer: NW: Darmprobleme
  • 3. Sulfonylharnstoffe: erhöhte Hypo-Gefahr!
  • 4. Flozine (SGLT2-Hemmer): NW: Genitalinfektionen

⚠️ Weitere NW oraler Medikamente

  • DPP4-Hemmer → Bauchspeicheldrüsenentzündung
  • Inkretin-Analoga → Übelkeit
  • Glitazone → Herzinsuffizienzrisiko
  • Alle Antidiabetika nur bei Typ 2!
  • Bei Gestationsdiabetes: keine oralen Antidiabetika!
Stufentherapie Typ 2: Lebensstilmaßnahmen → nach 3–6 Mo. HbA1c prüfen → Metformin → + weiteres Antidiabetikum → + Insulin (BOT: NPH um 22 Uhr oder SIT: kurzwirksam vor Mahlzeiten).
⚠️ Akute Komplikationen – Hypo & Hyper
🆘 Hypoglykämie – Unterzuckerung

Definition:

Blutzucker unter 50 mg/dl (Unterzuckerung). Lebensgefährlich bei Bewusstlosigkeit!

⚡ Ursachen

  • Typ 1: zu hohe Insulindosis + ausgelassene Mahlzeit oder Sport
  • Typ 2: Überdosierung Sulfonylharnstoffe
  • Alkohol blockiert Zuckerfreisetzung aus der Leber (Nachts gefährlich!)
  • Insulinproduzierender Tumor (selten)
  • Leber- und Nierenerkrankungen (selten)

🌡️ Symptome (Stufenweise)

  • Stufe A – Adrenalinreaktion: Schweißausbrüche (feuchte kalte Haut), Herzrasen, Zittern, Unruhe, Heißhunger
  • Stufe B – Glukosemangel im Gehirn: Kopfschmerzen, Sehstörungen, verwaschene Sprache, Angst, Aggressivität, Orientierungslosigkeit
  • Stufe C – Schock: Bewusstlosigkeit, Krämpfe, Koma → lebensgefährlich!

✅ Sofortmaßnahmen – Patient wach

  • 4–6 Plättchen Traubenzucker ODER
  • 0,2 l Cola / Fruchtsaft / Limonade (kein Diät!)
  • Danach langsam wirkende KH: Brot, Kräcker, Milch
  • BZ nachkontrollieren!
  • ❌ NICHT: Schokolade, fetthaltige Speisen (Fett verzögert Aufnahme!)
  • ❌ NICHT: Diätsüßigkeiten, Light-Getränke

🚨 Sofortmaßnahmen – Patient bewusstlos

  • KEIN orales Essen/Trinken! (Aspirationsgefahr!)
  • Stabile Seitenlage
  • Notruf absetzen
  • Mund von Essensresten/Zahnprothesen säubern
  • Glukagon i.m. (Notfallset) oder Glukose i.v. durch Fachkraft
🔥 Hyperglykämie – Überzuckerung / Koma

Definition & Ursachen

  • Blutzucker über 140 mg/dl (2h nach Mahlzeit)
  • Koma-Risiko: ab 250–400 mg/dl
  • Ursachen: falsche/vergessene Insulindosis, Infekt, Therapiefehler
  • Typ 1: Diabetische Ketoazidose (durch Fettsäureabbau → Azeton)
  • Typ 2: Hyperosmolares Koma (extremer Flüssigkeitsverlust)

🌡️ Symptome

  • Polyurie (häufiges Wasserlassen)
  • Starker Durst (Polydipsie)
  • Müdigkeit, Bauchschmerzen, Übelkeit/Erbrechen
  • Typ 1: Atemluft riecht nach Azeton (Nagellack/faule Äpfel!)
  • Typ 1: vertiefte Atmung (Kussmaul-Atmung)
  • Typ 2: warme, trockene Haut; trockene Schleimhäute
  • Bewusstseinseintrübung → Gang taumelnd (Verwechslung mit Betrunkenem möglich!)
  • Herzrhythmusstörungen ab 400 mg/dl

✅ Sofortmaßnahmen – Patient wach (BZ >250 + Ketonkörper)

  • Arzt informieren
  • Insulin spritzen (nach Anordnung)
  • 1 Liter Wasser in 1 Stunde trinken
  • Körperliche Anstrengung vermeiden
  • Nicht einschlafen!
  • Alle 2h BZ und Ketonwert kontrollieren
  • Nach 6h keine Normalisierung → Krankenhaus!

🚨 Sofortmaßnahmen – Bewusstlosigkeit

  • Notarzt informieren
  • Flache Rückenlage mit leicht erhöhtem Oberkörper
  • Beengende Kleidung öffnen
  • Atmung und Herzschlag kontrollieren
  • Für frische Luft sorgen
  • Beruhigung und Ansprache
  • Intensivmedizinische Überwachung nötig!
Klausurhilfe: Hypo = feucht-kalt (Schweiß, Zittern) | Hyper = trocken-warm (Durst, Polyurie, Azetongeruch). Bei Bewusstlosigkeit: immer Notruf + stabile Seitenlage (Hypo) oder Rückenlage (Hyper)!
🩺 Chronische Folgeerkrankungen
🗺️ Übersicht – Organsysteme
Chronisch erhöhter Blutzucker → schädigt Gefäße & Nerven Makroangiopathie (Große Gefäße) KHK | Herzinfarkt | Schlaganfall Arteriosklerose | pAVK Mikroangiopathie (Kleine Gefäße) Retinopathie | Nephropathie Diabetisches Fußsyndrom Diabetische Neuropathie (Nerven) Schmerzen, Taubheit, Erektionsstörungen, Blasenstörungen
🔍 Detailübersicht Folgeerkrankungen

👁️ Retinopathie (Augen)

  • Schädigung feiner Gefäße im Augenhintergrund
  • Symptome: dunkle Flecken, roter Schleier, verschwommenes Sehen
  • Schlimmstenfalls: Netzhautablösung → Erblindung
  • Außerdem: Linsentrübung, erhöhter Augendruck
  • Kontrolle: regelmäßiger Augenarztbesuch

🫘 Nephropathie (Nieren)

  • Verdickung der Kapillarwände → „löchriges" Filtersystem
  • Albumin gelangt in Urin (Proteinurie)
  • Störung des Wasser-/Salzhaushalts
  • Blutdruck steigt → Dialysepflicht möglich
  • Symptome: Müdigkeit, Juckreiz, Appetitlosigkeit, Ödeme

⚡ Neuropathie (Nerven)

  • Periphere Nerven betroffen → Taubheitsgefühl, Schmerzen (Unterschenkel, Füße)
  • Blutdruckregulationsstörungen mit Schwindel
  • Magenentleerungsstörung (Völlegefühl)
  • Blasen-/Darmstörungen
  • Erektionsstörungen (auch bei jungen Männern!)

🦶 Diabetisches Fußsyndrom

  • Durchblutungsstörung + Neuropathie kombiniert
  • Schmerzen, Wärme, Berührungen kaum noch wahrnehmbar
  • Kleinste Verletzungen werden übersehen
  • Immunzellen können nicht zu Entzündungsort (schlechte Durchblutung)
  • Gefahr: Infektionen, Wundheilungsstörungen → Amputation möglich!
  • Pflegerelevanz: tägliche Fußkontrolle

🫀 Makroangiopathie (Herz/Gefäße)

  • Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) durch BZ-Schäden
  • 2/3 der Diabetiker sterben an Herzinfarkt oder Schlaganfall!
  • Koronare Herzkrankheit (KHK)
  • Periphere Arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)
  • Je früher Diagnose → desto milder die Spätfolgen!
❓ Klausur-Quiz – Teste dein Wissen!
Dein Ergebnis: 0 / 0 richtig
1. Welcher Blutzuckerwert (nüchtern) beweist einen Diabetes mellitus?
2. Was ist beim Typ-1-Diabetes die Grundursache?
3. Was bedeutet das Basis-Bolus-Prinzip?
4. Was ist das HbA1c und was sagt es aus?
5. Ab welchem Blutzuckerwert spricht man von einer Hypoglykämie?
6. Warum kann Insulin NICHT als Tablette eingenommen werden?
7. Welches sind typische Symptome einer HYPERGLYKÄMIE? (Klausurhilfe: Gegenteil von Hypo!)
8. Was ist beim Gestationsdiabetes (Typ 4) VERBOTEN?
9. Was ist C-Peptid und was sagt ein NIEDRIGER Wert aus?
10. Was tun bei einem bewusstlosen Patienten mit Hypoglykämie?
11. Welches Medikament ist die 1. Wahl bei Typ-2-Diabetes und KEIN Übergewicht-förderndes Mittel?
12. Welche Folgeerkrankung betrifft die Nieren?
🃏 Karteikarten – Zum Umdrehen klicken!
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✅ Klausur-Checkliste
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🗺️ Grundlagen & Überblick
Ich kann Diabetes mellitus definieren und alle 4 Typen benennen.
Ich verstehe die Funktion von Insulin und Glukagon und kann den Regelkreis erklären.
Ich kenne die Häufigkeit: ~7 Mio. in D., Typ 2 = 90%, Typ 1 = 5–10%.
🔬 Typ 1 & Typ 2
Ich kann Typ 1 und Typ 2 in Ursache, Mechanismus und Symptomen vergleichen.
Ich kann erklären, was absoluter vs. relativer Insulinmangel bedeutet.
Ich kenne die Rolle des C-Peptids zur Typ-Unterscheidung.
Ich kenne Gestationsdiabetes: 24.–28. SSW, oGTT, kein orales Antidiabetikum!
Ich kenne Sonderformen: LADA, MODY, Kortison-Diabetes.
🔍 Diagnostik
Ich kenne alle Blutzucker-Grenzwerte: <100 normal | 100–125 gestört | ≥126 Diabetes.
Ich kann HbA1c erklären: was es misst, Normwert (4–6%), Diabetes-Grenzwert (≥6,5%).
Ich kenne den oGTT: wann, warum, Grenzwert (≥200 nach 2h).
Ich kenne weitere Diagnosemethoden: Urintest, Autoantikörper, Sensibilitätstest.
💉 Insulin & Therapie
Ich kann die 3 Insulintherapiemethoden erklären: konventionell, ICT, CSII (Pumpe).
Ich kenne das Basis-Bolus-Prinzip und kann es erklären.
Ich kenne die wichtigsten Insulinarten: Normal, NPH, Langwirksam (Lantus) + Wirkdauer.
Ich weiß: NPH-Insulin trüb = 20x mischen. Langwirksam klar = nicht mischen.
Ich kenne die Injektionsstellen: Bauch = kurz, Oberschenkel = lang.
Ich kann die 3 Säulen der Therapie nennen: Ernährung, Bewegung, Medikamente.
Ich kenne das Stufenschema Typ 2: Lebensstil → Metformin → weitere Antidiabetika → Insulin.
Ich kenne Metformin: 1. Wahl Typ 2, keine Hypoglykämie, Cave: Niereninsuffizienz.
Ich kenne den Begriff Broteinheit (BE): 1 BE = 10–12 g verwertbare Kohlenhydrate.
⚠️ Akute Komplikationen
Ich kann Hypoglykämie definieren (<50 mg/dl) und alle Symptome benennen.
Ich kenne die Sofortmaßnahmen: wach = Traubenzucker/Saft, bewusstlos = Seitenlage + Notruf + Glukagon i.m.
Ich kann Hyperglykämie-Symptome benennen und unterscheide Hypo vs. Hyper (feucht-kalt vs. trocken-warm).
Ich kenne diabetische Ketoazidose (Typ 1) und hyperosmolares Koma (Typ 2).
Ich weiß, was NICHT bei Hypoglykämie gegeben wird: Schokolade, Diät-Getränke, Insulin.
🩺 Folgeerkrankungen
Ich kann Makro- und Mikroangiopathie unterscheiden und Beispiele nennen.
Ich kann Retino-, Nephro- und Neuropathie erklären (welches Organ, was passiert).
Ich kenne das diabetische Fußsyndrom und die Pflegerelevanz (tägliche Fußkontrolle).
🔥 Top Klausur-Tipps

Was sicher drankommt

  • Blutzuckerwerte: 60–100 normal | 100–125 gestört | ≥126 Diabetes | <50 Hypo
  • Typ 1 vs. Typ 2: Unterschiede in Tabelle
  • C-Peptid: Typ 1 ↓, Typ 2 anfangs ↑
  • HbA1c: Langzeitblutzucker, 8–12 Wochen, ≥6,5% = Diabetes
  • Basis-Bolus-Prinzip erklären können
  • Hypo vs. Hyper: Symptome + Sofortmaßnahmen
  • NPH-Insulin trüb = 20x mischen!
  • Folgeerkrankungen: Retino, Nephro, Neuropathie

Häufige Klausurfallen ⚠️

  • Insulin kann NICHT oral eingenommen werden!
  • Bei Gestationsdiabetes: KEINE Tabletten!
  • Orale Antidiabetika NUR bei Typ 2!
  • Kortison → kann Diabetes auslösen!
  • Bei Bewusstlosigkeit: KEIN orales Essen/Trinken (Aspirationsgefahr)
  • Bewusstlos + Hypo → Seitenlage (nicht Rückenlage)
  • Alkohol → Hypoglykämiegefahr (nicht Hyperglykämie!)
  • Schokolade ist UNGEEIGNET zur Behandlung der Hypoglykämie