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Prophylaxen in der Pflege

📋 Pflegefachkraft-Ausbildung · Generalistik
🗺️ Prophylaxen – Das große Bild
🛡️ Was ist eine Prophylaxe?

Definition

Prophylaxe (griech. prophylaktikos = vorbeugend) = alle pflegerischen Maßnahmen, die verhindern, dass ein vorhersehbares gesundheitliches Risiko zu einem tatsächlichen Schaden wird. Prophylaxen gehören zu den Kernkompetenzen der Pflegefachkraft und sind Pflichtbestandteil jeder Pflegeplanung.

📋 Die 9 wichtigsten Prophylaxen

  • 🩹 Dekubitusprophylaxe – Druckgeschwüre
  • 🩸 Thromboseprophylaxe – Blutgerinnsel
  • 🫁 Pneumonieprophylaxe – Lungenentzündung
  • 🚶 Sturzprophylaxe – Stürze
  • 🦴 Kontrakturprophylaxe – Gelenkversteifung
  • 👄 Soor- und Parotitisprophylaxe – Mundpilz/Speicheldrüse
  • 🔥 Intertrigoprophylaxe – Hautwolf
  • 🚽 Obstipationsprophylaxe – Verstopfung
  • 💧 Zystitisprophylaxe – Blasenentzündung
  • 🥤 Dehydratations-/Malnutritionsprophylaxe – Flüssigkeits-/Nährstoffmangel

🎯 Allgemeines Prinzip jeder Prophylaxe

  • 1. Risiko erkennen – Assessment/Skalen einsetzen
  • 2. Risikofaktoren analysieren – individuell beim Patienten
  • 3. Maßnahmen planen – im Pflegeprozess (6 Schritte!)
  • 4. Maßnahmen durchführen – konsequent, individuell
  • 5. Dokumentieren – rechtlich verpflichtend!
  • 6. Evaluieren – wirkt die Maßnahme?
Merke: Prophylaxen sind nie "einmal gemacht, fertig" – sie sind ein kontinuierlicher Prozess entlang des gesamten Pflegeprozesses! Viele Risikofaktoren überschneiden sich (z. B. Immobilität erhöht das Risiko für Dekubitus, Thrombose, Pneumonie UND Kontraktur gleichzeitig).
🔗 Gemeinsamer Risikofaktor: Immobilität

Immobilität ist der zentrale Risikofaktor, der praktisch alle Prophylaxen gleichzeitig betrifft – deshalb so wichtig in der Klausur!

🛏️
Immobilität
🩹
Dekubitus
🩸
Thrombose
🫁
Pneumonie
🦴
Kontraktur
🚽
Obstipation
Klausur-Tipp: Wird nach Risikofaktoren bei einem bettlägerigen Patienten gefragt, denke immer an ALLE 5 oben genannten Prophylaxen gleichzeitig – sie hängen alle mit Bewegungsmangel zusammen!
🩹 Dekubitusprophylaxe
📖 Definition & Entstehung

Definition

Dekubitus (lat. decumbere = sich niederlegen) = Druckgeschwür. Lokal begrenzte Schädigung der Haut und/oder des darunterliegenden Gewebes, meist über knöchernen Vorsprüngen, durch Druck allein oder Druck in Kombination mit Scherkräften.

Entstehungsmechanismus

  • Druck: komprimiert Blutgefäße → Mangeldurchblutung (Ischämie) → Sauerstoffmangel im Gewebe → Zelltod (Nekrose)
  • Scherkräfte: Gewebeschichten verschieben sich gegeneinander (z. B. beim Hochrutschen im Bett) → Gefäßabrisse
  • Reibung: begünstigt Hautschäden zusätzlich
  • Kritische Druckdauer: schon ab 2 Stunden ohne Druckentlastung können Schäden entstehen!

Prädilektionsstellen (Risikozonen)

  • Os sacrum (Kreuzbein) – häufigste Stelle!
  • Tuber ischiadicum (Sitzbeinhöcker)
  • Trochanter major (Hüfte, Seitenlage)
  • Fersen (Calcaneus)
  • Ellenbogen, Schulterblätter, Hinterkopf
  • Knöchel, Ohren (bei Seitenlage)
⚠️ Risikofaktoren

Intrinsische (patientenbedingte) Faktoren

  • Immobilität / Bettlägerigkeit
  • Sensibilitätsstörungen (Schmerz wird nicht wahrgenommen)
  • Mangelernährung (wenig Eiweiß, Vitamin C, Zink)
  • Inkontinenz (Feuchtigkeit weicht Haut auf)
  • Höheres Alter, dünne Haut
  • Durchblutungsstörungen (z. B. Diabetes, pAVK)
  • Exsikkose (Austrocknung)

Extrinsische (äußere) Faktoren

  • Falten in Bettwäsche/Kleidung
  • Falsche oder fehlende Hilfsmittel
  • Zu seltener Lagerungswechsel
  • Feuchtigkeit (Schweiß, Urin)
  • Reibung beim Umlagern (Schieben statt Heben!)
  • Medizinische Hilfsmittel (Katheter, Schläuche, Sonden)

Einschätzung – Braden-Skala

  • 6 Kategorien: Sensorisches Empfindungsvermögen, Feuchtigkeit, Aktivität, Mobilität, Ernährung, Reibung/Scherkräfte
  • Score: 6–23 Punkte
  • Je niedriger der Wert, desto höher das Risiko!
  • ≤16 Punkte = erhöhtes Risiko
  • Alternative: Norton-Skala
🎯 Kategorien/Grade nach EPUAP
GradBeschreibung
Grad 1Nicht wegdrückbare Rötung der intakten Haut, meist über einem Knochenvorsprung
Grad 2Teilverlust der Haut; flache, offene Wunde mit rosa-rotem Wundbett oder intakte/eröffnete, mit Serum gefüllte Blase
Grad 3Vollständiger Hautverlust; Unterhautfettgewebe sichtbar, Knochen/Sehnen/Muskeln liegen NICHT frei
Grad 4Vollständiger Gewebeverlust mit freiliegendem Knochen, Sehne oder Muskel
Prophylaktische Maßnahmen

Bewegung & Lagerung

  • Bewegungsförderung – wichtigste Maßnahme! Aktive Bewegung vor passiver Lagerung
  • Lagerungswechsel – individuell, nicht starr nach Zeitplan (klassisch: alle 2h, heute individuelles Intervall nach Hautzustand)
  • 30°-Schräglagerung – Druckverteilung statt Punktbelastung
  • Mikrolagerung – kleine Lageveränderungen ohne komplette Umlagerung
  • Freilagerung der Fersen (z. B. Kissen unter Unterschenkel)
  • Hilfsmittel: Weichlagerungs-/Wechseldruckmatratzen, Fersenschoner

Haut, Ernährung & Dokumentation

  • Regelmäßige Hautinspektion (besonders Prädilektionsstellen)
  • Hautpflege: pH-neutral, nicht zu fettend (Okklusion vermeiden)
  • Haut trocken halten (Inkontinenzversorgung!)
  • Ernährung: ausreichend Eiweiß, Vitamin C, Zink für Gewebereparatur
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr
  • Bewegungsplan/Lagerungsplan dokumentieren (Pflicht!)
  • Hebetechniken statt Schieben → Scherkräfte vermeiden!
Klausur-Merksatz: Bewegung > Lagerung > Hilfsmittel! Die beste Prophylaxe ist immer die aktive Bewegung des Patienten – Hilfsmittel und Lagerung ergänzen, ersetzen aber nicht die Mobilisation.
🩸 Thromboseprophylaxe
📖 Definition & Virchow-Trias

Definition

Thrombose = Bildung eines Blutgerinnsels (Thrombus) in einem Blutgefäß, meist in den tiefen Beinvenen (TVT = tiefe Venenthrombose). Gefahr: löst sich der Thrombus → wandert ins Lungengefäßsystem → Lungenembolie (lebensbedrohlich!).

1️⃣ Veränderte Gefäßwand

  • Verletzungen der Gefäßinnenwand
  • Z. B. nach OP, Verletzung, Entzündung

2️⃣ Veränderte Blutzusammensetzung

  • Erhöhte Gerinnungsbereitschaft
  • Dehydratation, Hormone (Pille), Rauchen

3️⃣ Verlangsamter Blutfluss (Stase)

  • Immobilität, Bettruhe
  • Langes Sitzen (Reisethrombose)
Virchow-Trias: Treffen alle 3 Faktoren zusammen, steigt das Thromboserisiko massiv! Merksatz: Wand – Blut – Fluss.
⚠️ Risikofaktoren & Symptome

Risikofaktoren

  • Immobilität / Bettlägerigkeit (z. B. nach OP)
  • Höheres Alter
  • Adipositas
  • Rauchen
  • Hormonelle Verhütung (Pille), Schwangerschaft
  • Varizen (Krampfadern)
  • Dehydratation (Blut "dickflüssiger")
  • Frühere Thrombosen, Gerinnungsstörungen
  • Maligne Erkrankungen (Krebs)

Symptome einer TVT

  • Schwellung des betroffenen Beins
  • Schmerz, Spannungsgefühl
  • Überwärmung und Rötung
  • Glänzende, gespannte Haut
  • Homans-Zeichen: Schmerz bei Dorsalflexion des Fußes
  • Bei Lungenembolie: plötzliche Atemnot, Brustschmerz, Husten, Angst!
Pflege-Wichtig: Bei Verdacht auf Thrombose: betroffenes Bein NICHT massieren (Gefahr der Embolisierung!) – sofort Arzt informieren!
Prophylaktische Maßnahmen

Physikalische Maßnahmen

  • Frühmobilisation nach OP – so früh wie möglich!
  • Bewegungsübungen im Bett (Fußkreisen, "Fahrradfahren")
  • Beine hochlagern (venöser Rückfluss verbessert)
  • Medizinische Thromboseprophylaxestrümpfe (MTPS) – Kompression
  • Intermittierende pneumatische Kompression (Gerät)
  • Ausreichend trinken (Dehydratation vermeiden!)
  • Atemübungen (verbessern venösen Rückfluss durch Zwerchfellbewegung)

Medikamentöse Maßnahmen

  • Niedermolekulares Heparin (s.c. Injektion) – häufigste Methode bei Risikopatienten
  • Nach ärztlicher Anordnung (nicht eigenständige Pflegeentscheidung!)
  • Bei Verabreichung: Injektionsstellen wechseln, keine Aspiration nötig
  • Vor OP, bei Immobilität, Tumorerkrankung: oft Standard
Klausur-Tipp: Thromboseprophylaxe kombiniert immer physikalische + medikamentöse Maßnahmen! MTPS allein reicht bei Hochrisikopatienten oft nicht aus.
🫁 Pneumonieprophylaxe
📖 Definition & Risikofaktoren

Definition

Pneumonie = Lungenentzündung. In der Pflege besonders relevant: Aspirationspneumonie (durch Verschlucken/Einatmen von Speichel, Nahrung oder Mageninhalt) und hypostatische Pneumonie (durch flache Atmung und Sekretstau bei Immobilität).

Risikofaktoren

  • Immobilität / Bettlägerigkeit → flache Atmung, Sekretstau
  • Schluckstörungen (Dysphagie) → Aspirationsgefahr
  • Bewusstseinsstörungen
  • Rauchen, COPD, Asthma
  • Hohes Alter, geschwächtes Immunsystem
  • Künstliche Beatmung, liegende Magensonde
  • Schmerzbedingte Schonatmung (z. B. nach Bauch-OP)

Warum gerade bei Immobilität?

  • Liegende Position → Lunge wird nicht vollständig belüftet
  • Sekret sammelt sich in den unteren Lungenabschnitten
  • Flache Atmung → Lungenbläschen (Alveolen) nicht vollständig entfaltet
  • Sekretstau = idealer Nährboden für Bakterien!
Prophylaktische Maßnahmen

Atemfördernde Maßnahmen

  • Atemübungen – tiefe Bauchatmung, Lippenbremse
  • Atemtrainer (Triflow) – fördert tiefe Einatmung
  • Vibrationsmassage / Abklopfen – löst Sekret
  • Inhalation – verflüssigt zähes Sekret
  • Hustentechniken anleiten (effektiv abhusten)
  • Ausreichend trinken (Sekret verflüssigen!)

Lagerung – VATI-Konzept

  • V-Lagerung – V-förmig unter dem Rücken, dehnt obere Lungenabschnitte
  • A-Lagerung – A-förmig, dehnt mittlere Lungenabschnitte
  • T-Lagerung – T-förmig quer, dehnt untere Lungenabschnitte
  • I-Lagerung – I-förmig längs der Wirbelsäule, dehnt Lungenflügel einseitig
  • Zusätzlich: Oberkörperhochlagerung, regelmäßige Mobilisation
Klausur-Merksatz: VATI = verschiedene Dehnlagerungen zur gezielten Belüftung unterschiedlicher Lungenabschnitte! Bei Schluckstörungen zusätzlich: sorgfältige Mundpflege + angepasste Kostform (z. B. angedickte Flüssigkeiten) zur Aspirationsprophylaxe.
🚶 Sturzprophylaxe
📖 Definition & Risikofaktoren

Definition

Sturz = unfreiwilliges Hinfallen oder Hinunterstürzen aus aufrechter, sitzender oder liegender Position auf eine tiefere Ebene. Stürze sind eine der häufigsten Ursachen für Verletzungen bei älteren Menschen (z. B. Oberschenkelhalsfraktur).

Intrinsische Faktoren

  • Schwindel, Gangunsicherheit
  • Sehbeeinträchtigung
  • Muskelschwäche, Gleichgewichtsstörungen
  • Kognitive Einschränkungen (Demenz)
  • Inkontinenz (Eile zur Toilette!)
  • Frühere Stürze (erhöhtes Wiederholungsrisiko)

Medikamentenbedingte Faktoren

  • Sedativa, Schlafmittel
  • Blutdrucksenker (orthostatische Hypotonie)
  • Diuretika (häufiger Harndrang → Eile)
  • Polypharmazie (viele Medikamente gleichzeitig)

Extrinsische (Umgebungs-)Faktoren

  • Stolperfallen (Teppiche, Kabel)
  • Schlechte Beleuchtung
  • Unpassendes Schuhwerk
  • Glatte Böden, fehlende Haltegriffe
  • Klingel außer Reichweite
📋 Assessment-Instrumente

Timed-Up-and-Go-Test

  • Patient steht auf, geht 3 m, dreht um, setzt sich wieder
  • Zeit >20 Sek. = erhöhtes Sturzrisiko
  • Schnell durchführbar, gut im Pflegealltag einsetzbar

Tinetti-Test

  • Bewertet Gleichgewicht und Gangbild
  • Mehrere Items (Aufstehen, Stehen, Gehen, Drehen)
  • Punktesystem zur Risikoeinschätzung
Prophylaktische Maßnahmen

Umgebung & Hilfsmittel

  • Stolperfallen entfernen, gute Beleuchtung (Nachtlicht!)
  • Rutschfeste Schuhe, Hilfsmittel anpassen (Rollator, Gehstock)
  • Hüftprotektoren bei hohem Risiko
  • Klingel/Rufanlage in Reichweite
  • Bettgitter nur nach Risikoabwägung – Cave: Freiheitsentziehende Maßnahme! (Richtervorbehalt prüfen)
  • Niedrigbett oder Bodensensormatte als Alternative

Organisatorisch & medizinisch

  • Medikamentenüberprüfung (Sedativa reduzieren wenn möglich)
  • Sehhilfen anpassen, regelmäßige Sehtests
  • Kraft- und Balancetraining fördern
  • Sturzrisiko-Assessment bei Aufnahme + regelmäßig wiederholen
  • Sturzprotokoll nach jedem Sturz führen (Pflicht!)
  • Toilettengang rechtzeitig anbieten (Inkontinenz-bedingte Eile vermeiden)
Wichtig für die Pflege: Bettgitter und andere freiheitsentziehende Maßnahmen benötigen rechtliche Grundlage (Einwilligung, richterliche Genehmigung, Betreuerzustimmung)! Sie sind kein automatisches Mittel zur Sturzprophylaxe.
🦴 Kontrakturprophylaxe
📖 Definition & Risikofaktoren

Definition

Kontraktur = dauerhafte Verkürzung von Muskeln, Sehnen, Bändern oder Gelenkkapseln, die zu einer Einschränkung der Gelenkbeweglichkeit führt – bis hin zur völligen Gelenksteife.

Risikofaktoren

  • Immobilität (Bettlägerigkeit, Lähmungen)
  • Schonhaltung wegen Schmerzen
  • Neurologische Erkrankungen (Schlaganfall, Querschnitt)
  • Fehlende oder falsche Lagerung
  • Spastik (erhöhter Muskeltonus)
  • Bewusstseinsstörungen, Koma

Häufige Kontrakturformen

  • Spitzfuß – Fuß in Plantarflexion fixiert
  • Beugekontraktur Knie/Hüfte/Ellenbogen
  • Klauenhand – Finger in Beugestellung
  • Adduktionskontraktur der Schulter
Prophylaktische Maßnahmen

Bewegung

  • Aktive Bewegungsübungen – Patient bewegt selbst (bevorzugt!)
  • Passive Bewegungsübungen – Pflegekraft bewegt das Gelenk, wenn Patient es nicht selbst kann
  • Regelmäßige Mobilisation, Physiotherapie einbeziehen
  • Bewegungsübungen mehrmals täglich durchführen

Lagerung in Funktionsstellung

  • Gelenke in physiologischer Mittelstellung lagern
  • Fußbrett/Fersenschoner gegen Spitzfuß
  • Handrolle gegen Klauenhand
  • Lagerungskissen zur Druckentlastung und Positionierung
  • Position regelmäßig wechseln (kombiniert mit Dekubitusprophylaxe!)
Klausur-Tipp: Kontraktur- und Dekubitusprophylaxe überlappen sich oft (Lagerungswechsel, Bewegungsförderung) – bei Klausurfragen zu "Maßnahmen bei Immobilität" beide mitdenken!
👄 Soor- und Parotitisprophylaxe
📖 Zwei verschiedene Erkrankungen

Soor (Mundsoor)

  • Pilzinfektion der Mundschleimhaut durch Candida albicans
  • Typisch: weiße, abwischbare Beläge auf Zunge und Wangenschleimhaut
  • Begünstigt durch: Mundtrockenheit, geschwächtes Immunsystem, Antibiotikatherapie, Diabetes

Parotitis (Ohrspeicheldrüsenentzündung)

  • Entzündung der Glandula parotidea
  • Entsteht durch mangelnde Kautätigkeit + Austrocknung der Mundhöhle
  • Speichelfluss versiegt → Bakterien wandern in die Drüse
  • Symptome: Schwellung, Schmerz vor dem Ohr, Fieber
⚠️ Risikofaktoren
  • Mundtrockenheit (z. B. durch Medikamente, Sauerstoffgabe, Mundatmung)
  • Flüssigkeitsmangel (Exsikkose)
  • Fehlende Kautätigkeit (Sondenernährung, parenterale Ernährung, künstliche Beatmung)
  • Geschwächtes Immunsystem (Chemotherapie, hohes Alter, Diabetes)
  • Mangelnde Mundhygiene
  • Antibiotikatherapie (zerstört normale Mundflora → Pilze breiten sich aus)
Prophylaktische Maßnahmen

Mundpflege

  • Regelmäßige, gründliche Mundpflege (mehrmals täglich)
  • Mundinspektion bei jeder Pflege (frühe Soor-Erkennung!)
  • Spezielle Mundpflegelösungen (z. B. Salbei-, Kamillelösung)
  • Lippenpflege gegen Austrocknung

Speichelfluss anregen

  • Kautätigkeit fördern: Kaugummi, trockenes Brot anbieten (wenn möglich)
  • Saure Reize: Zitronenscheiben, saure Bonbons (regen Speichelfluss an)
  • Ausreichend Flüssigkeit anbieten
  • Bei Sondenernährung: trotzdem Kaureiz anbieten wenn erlaubt
Merke: Beide Prophylaxen funktionieren über das gleiche Prinzip: Speichelfluss aufrechterhalten = natürlicher Schutz gegen Pilze UND Bakterien in der Mundhöhle!
🔥 Intertrigoprophylaxe
📖 Definition & Risikofaktoren

Definition

Intertrigo (umgangssprachlich "Hautwolf" oder "Wundsein") = entzündliche Hautschädigung in Hautfalten, ausgelöst durch eine Kombination aus Reibung, Feuchtigkeit und Wärme. Begünstigt zusätzliche Pilz- oder Bakterieninfektionen.

Risikofaktoren

  • Adipositas (große, tiefe Hautfalten)
  • Inkontinenz (Feuchtigkeit)
  • Starkes Schwitzen (Hyperhidrose)
  • Diabetes mellitus (begünstigt Pilzinfektionen)
  • Bettlägerigkeit (Wärmestau in Hautfalten)

Typische Lokalisationen

  • Unter der Brust (besonders bei Frauen)
  • Bauchfalten
  • Leistenregion
  • Achselhöhlen
  • Zwischen den Zehen
Prophylaktische Maßnahmen
  • Hautfalten trocken halten – nach Waschen gründlich (aber sanft!) abtrocknen
  • Hautfalten mit Mullkompressen oder Leinenläppchen trennen (saugen Feuchtigkeit auf)
  • Atmungsaktive Kleidung/Unterwäsche aus Naturfasern
  • Regelmäßige Hautinspektion der Risikozonen
  • Keine stark fettenden Pflegeprodukte in Hautfalten (Okklusionseffekt → Feuchtigkeitsstau verschlimmert es!)
  • Bei Bedarf: spezielle Hautschutzcremes/-puder nach ärztlicher Anordnung
  • Gewichtsreduktion langfristig anstreben (bei Adipositas)
Klausur-Falle: Fettende Cremes/Salben in Hautfalten sind KONTRAINDIZIERT, da sie die Feuchtigkeit einschließen statt abzuleiten! Stattdessen: trockenhaltende Maßnahmen (Kompressen, Luftzirkulation).
🚽 Obstipationsprophylaxe
📖 Definition & Risikofaktoren

Definition

Obstipation = Verstopfung. Erschwerte, schmerzhafte oder zu seltene Stuhlentleerung (üblich definiert: weniger als 3× pro Woche, harter Stuhl, starkes Pressen nötig).

Risikofaktoren

  • Bewegungsmangel / Immobilität
  • Ballaststoffarme Ernährung
  • Zu geringe Flüssigkeitszufuhr
  • Medikamente: Opioide (Schmerzmittel), Eisenpräparate
  • Unterdrückter Stuhldrang (fehlende Privatsphäre, Scham)
  • Höheres Alter, Schwangerschaft
  • Hämorrhoiden, schmerzhafte Defäkation (Vermeidungsverhalten)

Folgen unbehandelter Obstipation

  • Koprostase (Stuhlstau im Darm)
  • Ileus (Darmverschluss) im schweren Fall
  • Hämorrhoiden, Analfissuren
  • Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen
Prophylaktische Maßnahmen

Ernährung & Flüssigkeit

  • Ballaststoffreiche Ernährung (Vollkorn, Obst, Gemüse, Trockenfrüchte)
  • Ausreichend trinken (mind. 1,5–2 l/Tag)
  • Verdauungsfördernde Lebensmittel (Leinsamen, Pflaumensaft)
  • Regelmäßige Mahlzeiten

Bewegung & Toilettentraining

  • Mobilisation/Bewegung regt die Darmperistaltik an
  • Bauchmassage im Uhrzeigersinn (entlang des Kolonverlaufs!)
  • Geregelter Defäkationsrhythmus, feste Toilettenzeiten
  • Privatsphäre und ausreichend Zeit ermöglichen
  • Physiologische Sitzposition fördern (Knie höher als Hüfte)
Klausur-Tipp: Bauchmassage immer im Uhrzeigersinn durchführen – das entspricht der natürlichen Transportrichtung des Dickdarms (aufsteigend → quer → absteigend)!
💧 Zystitisprophylaxe
📖 Definition & Risikofaktoren

Definition

Zystitis = Blasenentzündung, meist bakteriell bedingt (häufig E. coli). Frauen sind anatomisch häufiger betroffen (kürzere Harnröhre, näher am After).

Risikofaktoren

  • Harnwegskatheter (Dauerkatheter = größtes Risiko in der Pflege!)
  • Mangelnde Intimhygiene
  • Zu geringe Flüssigkeitszufuhr (Blase wird nicht "durchgespült")
  • Inkontinenz, Restharnbildung
  • Diabetes mellitus (Zucker im Urin = Nährboden für Bakterien)
  • Weibliches Geschlecht (anatomisch bedingt)

Symptome

  • Brennen beim Wasserlassen (Dysurie)
  • Häufiger Harndrang (Pollakisurie)
  • Trüber, übelriechender Urin
  • Unterbauchschmerzen
  • Bei Fieber: Verdacht auf aufsteigende Infektion (Pyelonephritis)!
Prophylaktische Maßnahmen

Allgemeine Maßnahmen

  • Ausreichend trinken (mind. 1,5–2 l/Tag) – "Durchspüleffekt"
  • Sorgfältige Intimhygiene (von vorne nach hinten reinigen!)
  • Blase regelmäßig und vollständig entleeren
  • Toilettengang nach dem Geschlechtsverkehr
  • Nicht zu lange den Harndrang unterdrücken

Bei liegendem Dauerkatheter

  • Geschlossenes Kathetersystem beibehalten (nicht öffnen!)
  • Katheter so kurz wie möglich liegen lassen, Indikation täglich prüfen
  • Sachgerechte Katheterpflege (Meatuspflege)
  • Urinbeutel immer unterhalb der Blase positionieren (kein Rückfluss!)
  • Aseptisches Arbeiten beim Anschließen/Wechseln
  • Beutel nicht auf dem Boden abstellen
Klausur-Merksatz: Der Dauerkatheter ist die häufigste Ursache für nosokomiale (im Krankenhaus erworbene) Harnwegsinfekte! Je kürzer die Liegedauer, desto geringer das Risiko – tägliche Indikationsprüfung ist Pflicht.
🥤 Dehydratations- & Malnutritionsprophylaxe
📖 Zwei eng verbundene Risiken

Dehydratation (Exsikkose)

  • Flüssigkeitsmangel des Körpers
  • Symptome: trockene Schleimhäute, stehende Hautfalten, Verwirrtheit, Schwäche, dunkler konzentrierter Urin
  • Besonders gefährlich bei älteren Menschen (vermindertes Durstgefühl!)

Malnutrition (Mangelernährung)

  • Zu wenig Energie und/oder Nährstoffe über längere Zeit
  • Kann auch Normalgewichtige/Übergewichtige betreffen!
  • Symptome: Gewichtsverlust, Muskelschwund, Wundheilungsstörungen, Infektanfälligkeit
⚠️ Risikofaktoren
  • Höheres Alter (vermindertes Durst-/Hungergefühl)
  • Schluckstörungen (Dysphagie)
  • Demenz, kognitive Einschränkungen (vergisst zu essen/trinken)
  • Depression, Appetitlosigkeit
  • Medikamente (z. B. Diuretika erhöhen Flüssigkeitsverlust)
  • Eingeschränkte Mobilität (kann sich nicht selbst versorgen)
  • Erbrechen, Durchfall, Fieber (erhöhter Flüssigkeitsverlust)
  • Einsamkeit, fehlende Unterstützung beim Einkaufen/Kochen
Prophylaktische Maßnahmen

Flüssigkeitsprophylaxe

  • Trinkprotokoll führen – Flüssigkeitsmenge dokumentieren
  • Individuellen Trinkplan erstellen (über den Tag verteilt anbieten)
  • Lieblingsgetränke anbieten, Trinkhilfen bereitstellen
  • Erinnerung zum Trinken (bei Demenz/Vergesslichkeit)
  • Regelmäßige Hautfaltenkontrolle, Beobachtung der Schleimhäute

Ernährungsprophylaxe

  • Ernährungsprotokoll und regelmäßige Gewichtskontrolle
  • MNA/NRS 2002 Screening zur Risikoeinschätzung
  • Kleine, häufige Mahlzeiten statt 3 große
  • Lieblingsspeisen berücksichtigen, appetitanregend anrichten
  • Esshilfen bereitstellen (rutschfeste Unterlage, angepasstes Besteck)
  • Ausreichend Zeit zum Essen geben, Hilfe beim Essen anbieten
  • Bei Bedarf: angereicherte Kost, Trinknahrung nach ärztlicher Anordnung
Klausur-Merksatz: Gewichtsverlust >5% in 3 Monaten oder >10% in 6 Monaten = Alarmsignal! Sofort dokumentieren, Arzt/Ernährungsberatung einbeziehen.
📖 Definitionen & Fachbegriffe – Alle Prophylaxen
📋 Wichtige Fachbegriffe
BegriffErklärung
ProphylaxeVorbeugende pflegerische Maßnahme zur Verhinderung eines vorhersehbaren gesundheitlichen Schadens
DekubitusDruckgeschwür durch Druck und/oder Scherkräfte über knöchernen Vorsprüngen
PrädilektionsstelleBevorzugte Stelle für die Entstehung eines Dekubitus (z.B. Os sacrum, Fersen)
Braden-SkalaAssessment-Instrument zur Einschätzung des Dekubitusrisikos (6 Kategorien, Score 6–23)
MikrolagerungKleine Lageveränderung ohne vollständige Umlagerung zur Druckentlastung
ThrombusBlutgerinnsel in einem Blutgefäß
Virchow-Trias3 Faktoren der Thromboseentstehung: Gefäßwandveränderung, Blutzusammensetzung, verlangsamter Blutfluss
LungenembolieVerschluss einer Lungenarterie durch einen losgerissenen Thrombus – Komplikation der Thrombose
Homans-ZeichenSchmerz bei Dorsalflexion (Hochziehen) des Fußes – Hinweis auf TVT
MTPSMedizinische Thromboseprophylaxestrümpfe – Kompressionsstrümpfe gegen Thrombose
Hypostatische PneumonieLungenentzündung durch Sekretstau bei flacher Atmung/Immobilität
AspirationspneumonieLungenentzündung durch Verschlucken/Einatmen von Fremdmaterial (Speichel, Nahrung)
VATI-Lagerung4 Dehnlagerungen (V-, A-, T-, I-Lagerung) zur gezielten Belüftung der Lunge
TriflowAtemtrainer-Gerät zur Förderung der tiefen Einatmung
Timed-Up-and-Go-TestSturzrisiko-Test: Aufstehen, 3m gehen, umdrehen, hinsetzen – Zeit messen
Tinetti-TestAssessment für Gleichgewicht und Gangbild zur Sturzrisikoeinschätzung
HüftprotektorSchutzpolster zur Vermeidung von Oberschenkelhalsfrakturen bei Sturz
Freiheitsentziehende Maßnahme (FEM)Maßnahme die die Bewegungsfreiheit einschränkt (z.B. Bettgitter); bedarf rechtlicher Grundlage
KontrakturDauerhafte Verkürzung von Muskeln/Sehnen/Gelenkkapseln → Bewegungseinschränkung
SpitzfußKontraktur des Fußes in Plantarflexion (Zehen nach unten fixiert)
FunktionsstellungPhysiologische Mittelstellung eines Gelenks zur Lagerung
SoorPilzinfektion (meist Candida albicans) der Mundschleimhaut; weiße abwischbare Beläge
ParotitisEntzündung der Ohrspeicheldrüse (Glandula parotidea) durch Speichelmangel
IntertrigoEntzündliche Hautschädigung in Hautfalten durch Reibung + Feuchtigkeit + Wärme ("Hautwolf")
ObstipationVerstopfung; erschwerte oder zu seltene (<3x/Woche) Stuhlentleerung
KoprostaseStuhlstau im Darm als Folge unbehandelter Obstipation
ZystitisBlasenentzündung, meist bakteriell (häufig E. coli)
DysurieSchmerzhaftes/erschwertes Wasserlassen
PollakisurieHäufiger Harndrang mit kleinen Urinmengen
PyelonephritisNierenbeckenentzündung – aufsteigende Komplikation der Zystitis
Dehydratation / ExsikkoseFlüssigkeitsmangel des Körpers
MalnutritionMangelernährung – zu wenig Energie/Nährstoffe über längere Zeit
MNAMini Nutritional Assessment – Screening für Mangelernährungsrisiko bei Älteren
NRS 2002Nutritional Risk Screening – Ernährungsrisiko-Screening im Krankenhaus
Stehende HautfalteKlassisches Zeichen der Dehydratation: angehobene Hautfalte glättet sich nicht zurück
Pflegeprozess6-Schritte-Kreislauf (Informationssammlung, Diagnose, Ziele, Planung, Durchführung, Evaluation) als Grundlage jeder Prophylaxe
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