Definition
Prophylaxe (griech. prophylaktikos = vorbeugend) = alle pflegerischen Maßnahmen, die verhindern, dass ein vorhersehbares gesundheitliches Risiko zu einem tatsächlichen Schaden wird. Prophylaxen gehören zu den Kernkompetenzen der Pflegefachkraft und sind Pflichtbestandteil jeder Pflegeplanung.
📋 Die 9 wichtigsten Prophylaxen
- 🩹 Dekubitusprophylaxe – Druckgeschwüre
- 🩸 Thromboseprophylaxe – Blutgerinnsel
- 🫁 Pneumonieprophylaxe – Lungenentzündung
- 🚶 Sturzprophylaxe – Stürze
- 🦴 Kontrakturprophylaxe – Gelenkversteifung
- 👄 Soor- und Parotitisprophylaxe – Mundpilz/Speicheldrüse
- 🔥 Intertrigoprophylaxe – Hautwolf
- 🚽 Obstipationsprophylaxe – Verstopfung
- 💧 Zystitisprophylaxe – Blasenentzündung
- 🥤 Dehydratations-/Malnutritionsprophylaxe – Flüssigkeits-/Nährstoffmangel
🎯 Allgemeines Prinzip jeder Prophylaxe
- 1. Risiko erkennen – Assessment/Skalen einsetzen
- 2. Risikofaktoren analysieren – individuell beim Patienten
- 3. Maßnahmen planen – im Pflegeprozess (6 Schritte!)
- 4. Maßnahmen durchführen – konsequent, individuell
- 5. Dokumentieren – rechtlich verpflichtend!
- 6. Evaluieren – wirkt die Maßnahme?
Immobilität ist der zentrale Risikofaktor, der praktisch alle Prophylaxen gleichzeitig betrifft – deshalb so wichtig in der Klausur!
Definition
Dekubitus (lat. decumbere = sich niederlegen) = Druckgeschwür. Lokal begrenzte Schädigung der Haut und/oder des darunterliegenden Gewebes, meist über knöchernen Vorsprüngen, durch Druck allein oder Druck in Kombination mit Scherkräften.
Entstehungsmechanismus
- Druck: komprimiert Blutgefäße → Mangeldurchblutung (Ischämie) → Sauerstoffmangel im Gewebe → Zelltod (Nekrose)
- Scherkräfte: Gewebeschichten verschieben sich gegeneinander (z. B. beim Hochrutschen im Bett) → Gefäßabrisse
- Reibung: begünstigt Hautschäden zusätzlich
- Kritische Druckdauer: schon ab 2 Stunden ohne Druckentlastung können Schäden entstehen!
Prädilektionsstellen (Risikozonen)
- Os sacrum (Kreuzbein) – häufigste Stelle!
- Tuber ischiadicum (Sitzbeinhöcker)
- Trochanter major (Hüfte, Seitenlage)
- Fersen (Calcaneus)
- Ellenbogen, Schulterblätter, Hinterkopf
- Knöchel, Ohren (bei Seitenlage)
Intrinsische (patientenbedingte) Faktoren
- Immobilität / Bettlägerigkeit
- Sensibilitätsstörungen (Schmerz wird nicht wahrgenommen)
- Mangelernährung (wenig Eiweiß, Vitamin C, Zink)
- Inkontinenz (Feuchtigkeit weicht Haut auf)
- Höheres Alter, dünne Haut
- Durchblutungsstörungen (z. B. Diabetes, pAVK)
- Exsikkose (Austrocknung)
Extrinsische (äußere) Faktoren
- Falten in Bettwäsche/Kleidung
- Falsche oder fehlende Hilfsmittel
- Zu seltener Lagerungswechsel
- Feuchtigkeit (Schweiß, Urin)
- Reibung beim Umlagern (Schieben statt Heben!)
- Medizinische Hilfsmittel (Katheter, Schläuche, Sonden)
Einschätzung – Braden-Skala
- 6 Kategorien: Sensorisches Empfindungsvermögen, Feuchtigkeit, Aktivität, Mobilität, Ernährung, Reibung/Scherkräfte
- Score: 6–23 Punkte
- Je niedriger der Wert, desto höher das Risiko!
- ≤16 Punkte = erhöhtes Risiko
- Alternative: Norton-Skala
| Grad | Beschreibung |
|---|---|
| Grad 1 | Nicht wegdrückbare Rötung der intakten Haut, meist über einem Knochenvorsprung |
| Grad 2 | Teilverlust der Haut; flache, offene Wunde mit rosa-rotem Wundbett oder intakte/eröffnete, mit Serum gefüllte Blase |
| Grad 3 | Vollständiger Hautverlust; Unterhautfettgewebe sichtbar, Knochen/Sehnen/Muskeln liegen NICHT frei |
| Grad 4 | Vollständiger Gewebeverlust mit freiliegendem Knochen, Sehne oder Muskel |
Bewegung & Lagerung
- Bewegungsförderung – wichtigste Maßnahme! Aktive Bewegung vor passiver Lagerung
- Lagerungswechsel – individuell, nicht starr nach Zeitplan (klassisch: alle 2h, heute individuelles Intervall nach Hautzustand)
- 30°-Schräglagerung – Druckverteilung statt Punktbelastung
- Mikrolagerung – kleine Lageveränderungen ohne komplette Umlagerung
- Freilagerung der Fersen (z. B. Kissen unter Unterschenkel)
- Hilfsmittel: Weichlagerungs-/Wechseldruckmatratzen, Fersenschoner
Haut, Ernährung & Dokumentation
- Regelmäßige Hautinspektion (besonders Prädilektionsstellen)
- Hautpflege: pH-neutral, nicht zu fettend (Okklusion vermeiden)
- Haut trocken halten (Inkontinenzversorgung!)
- Ernährung: ausreichend Eiweiß, Vitamin C, Zink für Gewebereparatur
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr
- Bewegungsplan/Lagerungsplan dokumentieren (Pflicht!)
- Hebetechniken statt Schieben → Scherkräfte vermeiden!
Definition
Thrombose = Bildung eines Blutgerinnsels (Thrombus) in einem Blutgefäß, meist in den tiefen Beinvenen (TVT = tiefe Venenthrombose). Gefahr: löst sich der Thrombus → wandert ins Lungengefäßsystem → Lungenembolie (lebensbedrohlich!).
1️⃣ Veränderte Gefäßwand
- Verletzungen der Gefäßinnenwand
- Z. B. nach OP, Verletzung, Entzündung
2️⃣ Veränderte Blutzusammensetzung
- Erhöhte Gerinnungsbereitschaft
- Dehydratation, Hormone (Pille), Rauchen
3️⃣ Verlangsamter Blutfluss (Stase)
- Immobilität, Bettruhe
- Langes Sitzen (Reisethrombose)
Risikofaktoren
- Immobilität / Bettlägerigkeit (z. B. nach OP)
- Höheres Alter
- Adipositas
- Rauchen
- Hormonelle Verhütung (Pille), Schwangerschaft
- Varizen (Krampfadern)
- Dehydratation (Blut "dickflüssiger")
- Frühere Thrombosen, Gerinnungsstörungen
- Maligne Erkrankungen (Krebs)
Symptome einer TVT
- Schwellung des betroffenen Beins
- Schmerz, Spannungsgefühl
- Überwärmung und Rötung
- Glänzende, gespannte Haut
- Homans-Zeichen: Schmerz bei Dorsalflexion des Fußes
- Bei Lungenembolie: plötzliche Atemnot, Brustschmerz, Husten, Angst!
Physikalische Maßnahmen
- Frühmobilisation nach OP – so früh wie möglich!
- Bewegungsübungen im Bett (Fußkreisen, "Fahrradfahren")
- Beine hochlagern (venöser Rückfluss verbessert)
- Medizinische Thromboseprophylaxestrümpfe (MTPS) – Kompression
- Intermittierende pneumatische Kompression (Gerät)
- Ausreichend trinken (Dehydratation vermeiden!)
- Atemübungen (verbessern venösen Rückfluss durch Zwerchfellbewegung)
Medikamentöse Maßnahmen
- Niedermolekulares Heparin (s.c. Injektion) – häufigste Methode bei Risikopatienten
- Nach ärztlicher Anordnung (nicht eigenständige Pflegeentscheidung!)
- Bei Verabreichung: Injektionsstellen wechseln, keine Aspiration nötig
- Vor OP, bei Immobilität, Tumorerkrankung: oft Standard
Definition
Pneumonie = Lungenentzündung. In der Pflege besonders relevant: Aspirationspneumonie (durch Verschlucken/Einatmen von Speichel, Nahrung oder Mageninhalt) und hypostatische Pneumonie (durch flache Atmung und Sekretstau bei Immobilität).
Risikofaktoren
- Immobilität / Bettlägerigkeit → flache Atmung, Sekretstau
- Schluckstörungen (Dysphagie) → Aspirationsgefahr
- Bewusstseinsstörungen
- Rauchen, COPD, Asthma
- Hohes Alter, geschwächtes Immunsystem
- Künstliche Beatmung, liegende Magensonde
- Schmerzbedingte Schonatmung (z. B. nach Bauch-OP)
Warum gerade bei Immobilität?
- Liegende Position → Lunge wird nicht vollständig belüftet
- Sekret sammelt sich in den unteren Lungenabschnitten
- Flache Atmung → Lungenbläschen (Alveolen) nicht vollständig entfaltet
- Sekretstau = idealer Nährboden für Bakterien!
Atemfördernde Maßnahmen
- Atemübungen – tiefe Bauchatmung, Lippenbremse
- Atemtrainer (Triflow) – fördert tiefe Einatmung
- Vibrationsmassage / Abklopfen – löst Sekret
- Inhalation – verflüssigt zähes Sekret
- Hustentechniken anleiten (effektiv abhusten)
- Ausreichend trinken (Sekret verflüssigen!)
Lagerung – VATI-Konzept
- V-Lagerung – V-förmig unter dem Rücken, dehnt obere Lungenabschnitte
- A-Lagerung – A-förmig, dehnt mittlere Lungenabschnitte
- T-Lagerung – T-förmig quer, dehnt untere Lungenabschnitte
- I-Lagerung – I-förmig längs der Wirbelsäule, dehnt Lungenflügel einseitig
- Zusätzlich: Oberkörperhochlagerung, regelmäßige Mobilisation
Definition
Sturz = unfreiwilliges Hinfallen oder Hinunterstürzen aus aufrechter, sitzender oder liegender Position auf eine tiefere Ebene. Stürze sind eine der häufigsten Ursachen für Verletzungen bei älteren Menschen (z. B. Oberschenkelhalsfraktur).
Intrinsische Faktoren
- Schwindel, Gangunsicherheit
- Sehbeeinträchtigung
- Muskelschwäche, Gleichgewichtsstörungen
- Kognitive Einschränkungen (Demenz)
- Inkontinenz (Eile zur Toilette!)
- Frühere Stürze (erhöhtes Wiederholungsrisiko)
Medikamentenbedingte Faktoren
- Sedativa, Schlafmittel
- Blutdrucksenker (orthostatische Hypotonie)
- Diuretika (häufiger Harndrang → Eile)
- Polypharmazie (viele Medikamente gleichzeitig)
Extrinsische (Umgebungs-)Faktoren
- Stolperfallen (Teppiche, Kabel)
- Schlechte Beleuchtung
- Unpassendes Schuhwerk
- Glatte Böden, fehlende Haltegriffe
- Klingel außer Reichweite
Timed-Up-and-Go-Test
- Patient steht auf, geht 3 m, dreht um, setzt sich wieder
- Zeit >20 Sek. = erhöhtes Sturzrisiko
- Schnell durchführbar, gut im Pflegealltag einsetzbar
Tinetti-Test
- Bewertet Gleichgewicht und Gangbild
- Mehrere Items (Aufstehen, Stehen, Gehen, Drehen)
- Punktesystem zur Risikoeinschätzung
Umgebung & Hilfsmittel
- Stolperfallen entfernen, gute Beleuchtung (Nachtlicht!)
- Rutschfeste Schuhe, Hilfsmittel anpassen (Rollator, Gehstock)
- Hüftprotektoren bei hohem Risiko
- Klingel/Rufanlage in Reichweite
- Bettgitter nur nach Risikoabwägung – Cave: Freiheitsentziehende Maßnahme! (Richtervorbehalt prüfen)
- Niedrigbett oder Bodensensormatte als Alternative
Organisatorisch & medizinisch
- Medikamentenüberprüfung (Sedativa reduzieren wenn möglich)
- Sehhilfen anpassen, regelmäßige Sehtests
- Kraft- und Balancetraining fördern
- Sturzrisiko-Assessment bei Aufnahme + regelmäßig wiederholen
- Sturzprotokoll nach jedem Sturz führen (Pflicht!)
- Toilettengang rechtzeitig anbieten (Inkontinenz-bedingte Eile vermeiden)
Definition
Kontraktur = dauerhafte Verkürzung von Muskeln, Sehnen, Bändern oder Gelenkkapseln, die zu einer Einschränkung der Gelenkbeweglichkeit führt – bis hin zur völligen Gelenksteife.
Risikofaktoren
- Immobilität (Bettlägerigkeit, Lähmungen)
- Schonhaltung wegen Schmerzen
- Neurologische Erkrankungen (Schlaganfall, Querschnitt)
- Fehlende oder falsche Lagerung
- Spastik (erhöhter Muskeltonus)
- Bewusstseinsstörungen, Koma
Häufige Kontrakturformen
- Spitzfuß – Fuß in Plantarflexion fixiert
- Beugekontraktur Knie/Hüfte/Ellenbogen
- Klauenhand – Finger in Beugestellung
- Adduktionskontraktur der Schulter
Bewegung
- Aktive Bewegungsübungen – Patient bewegt selbst (bevorzugt!)
- Passive Bewegungsübungen – Pflegekraft bewegt das Gelenk, wenn Patient es nicht selbst kann
- Regelmäßige Mobilisation, Physiotherapie einbeziehen
- Bewegungsübungen mehrmals täglich durchführen
Lagerung in Funktionsstellung
- Gelenke in physiologischer Mittelstellung lagern
- Fußbrett/Fersenschoner gegen Spitzfuß
- Handrolle gegen Klauenhand
- Lagerungskissen zur Druckentlastung und Positionierung
- Position regelmäßig wechseln (kombiniert mit Dekubitusprophylaxe!)
Soor (Mundsoor)
- Pilzinfektion der Mundschleimhaut durch Candida albicans
- Typisch: weiße, abwischbare Beläge auf Zunge und Wangenschleimhaut
- Begünstigt durch: Mundtrockenheit, geschwächtes Immunsystem, Antibiotikatherapie, Diabetes
Parotitis (Ohrspeicheldrüsenentzündung)
- Entzündung der Glandula parotidea
- Entsteht durch mangelnde Kautätigkeit + Austrocknung der Mundhöhle
- Speichelfluss versiegt → Bakterien wandern in die Drüse
- Symptome: Schwellung, Schmerz vor dem Ohr, Fieber
- Mundtrockenheit (z. B. durch Medikamente, Sauerstoffgabe, Mundatmung)
- Flüssigkeitsmangel (Exsikkose)
- Fehlende Kautätigkeit (Sondenernährung, parenterale Ernährung, künstliche Beatmung)
- Geschwächtes Immunsystem (Chemotherapie, hohes Alter, Diabetes)
- Mangelnde Mundhygiene
- Antibiotikatherapie (zerstört normale Mundflora → Pilze breiten sich aus)
Mundpflege
- Regelmäßige, gründliche Mundpflege (mehrmals täglich)
- Mundinspektion bei jeder Pflege (frühe Soor-Erkennung!)
- Spezielle Mundpflegelösungen (z. B. Salbei-, Kamillelösung)
- Lippenpflege gegen Austrocknung
Speichelfluss anregen
- Kautätigkeit fördern: Kaugummi, trockenes Brot anbieten (wenn möglich)
- Saure Reize: Zitronenscheiben, saure Bonbons (regen Speichelfluss an)
- Ausreichend Flüssigkeit anbieten
- Bei Sondenernährung: trotzdem Kaureiz anbieten wenn erlaubt
Definition
Intertrigo (umgangssprachlich "Hautwolf" oder "Wundsein") = entzündliche Hautschädigung in Hautfalten, ausgelöst durch eine Kombination aus Reibung, Feuchtigkeit und Wärme. Begünstigt zusätzliche Pilz- oder Bakterieninfektionen.
Risikofaktoren
- Adipositas (große, tiefe Hautfalten)
- Inkontinenz (Feuchtigkeit)
- Starkes Schwitzen (Hyperhidrose)
- Diabetes mellitus (begünstigt Pilzinfektionen)
- Bettlägerigkeit (Wärmestau in Hautfalten)
Typische Lokalisationen
- Unter der Brust (besonders bei Frauen)
- Bauchfalten
- Leistenregion
- Achselhöhlen
- Zwischen den Zehen
- Hautfalten trocken halten – nach Waschen gründlich (aber sanft!) abtrocknen
- Hautfalten mit Mullkompressen oder Leinenläppchen trennen (saugen Feuchtigkeit auf)
- Atmungsaktive Kleidung/Unterwäsche aus Naturfasern
- Regelmäßige Hautinspektion der Risikozonen
- Keine stark fettenden Pflegeprodukte in Hautfalten (Okklusionseffekt → Feuchtigkeitsstau verschlimmert es!)
- Bei Bedarf: spezielle Hautschutzcremes/-puder nach ärztlicher Anordnung
- Gewichtsreduktion langfristig anstreben (bei Adipositas)
Definition
Obstipation = Verstopfung. Erschwerte, schmerzhafte oder zu seltene Stuhlentleerung (üblich definiert: weniger als 3× pro Woche, harter Stuhl, starkes Pressen nötig).
Risikofaktoren
- Bewegungsmangel / Immobilität
- Ballaststoffarme Ernährung
- Zu geringe Flüssigkeitszufuhr
- Medikamente: Opioide (Schmerzmittel), Eisenpräparate
- Unterdrückter Stuhldrang (fehlende Privatsphäre, Scham)
- Höheres Alter, Schwangerschaft
- Hämorrhoiden, schmerzhafte Defäkation (Vermeidungsverhalten)
Folgen unbehandelter Obstipation
- Koprostase (Stuhlstau im Darm)
- Ileus (Darmverschluss) im schweren Fall
- Hämorrhoiden, Analfissuren
- Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen
Ernährung & Flüssigkeit
- Ballaststoffreiche Ernährung (Vollkorn, Obst, Gemüse, Trockenfrüchte)
- Ausreichend trinken (mind. 1,5–2 l/Tag)
- Verdauungsfördernde Lebensmittel (Leinsamen, Pflaumensaft)
- Regelmäßige Mahlzeiten
Bewegung & Toilettentraining
- Mobilisation/Bewegung regt die Darmperistaltik an
- Bauchmassage im Uhrzeigersinn (entlang des Kolonverlaufs!)
- Geregelter Defäkationsrhythmus, feste Toilettenzeiten
- Privatsphäre und ausreichend Zeit ermöglichen
- Physiologische Sitzposition fördern (Knie höher als Hüfte)
Definition
Zystitis = Blasenentzündung, meist bakteriell bedingt (häufig E. coli). Frauen sind anatomisch häufiger betroffen (kürzere Harnröhre, näher am After).
Risikofaktoren
- Harnwegskatheter (Dauerkatheter = größtes Risiko in der Pflege!)
- Mangelnde Intimhygiene
- Zu geringe Flüssigkeitszufuhr (Blase wird nicht "durchgespült")
- Inkontinenz, Restharnbildung
- Diabetes mellitus (Zucker im Urin = Nährboden für Bakterien)
- Weibliches Geschlecht (anatomisch bedingt)
Symptome
- Brennen beim Wasserlassen (Dysurie)
- Häufiger Harndrang (Pollakisurie)
- Trüber, übelriechender Urin
- Unterbauchschmerzen
- Bei Fieber: Verdacht auf aufsteigende Infektion (Pyelonephritis)!
Allgemeine Maßnahmen
- Ausreichend trinken (mind. 1,5–2 l/Tag) – "Durchspüleffekt"
- Sorgfältige Intimhygiene (von vorne nach hinten reinigen!)
- Blase regelmäßig und vollständig entleeren
- Toilettengang nach dem Geschlechtsverkehr
- Nicht zu lange den Harndrang unterdrücken
Bei liegendem Dauerkatheter
- Geschlossenes Kathetersystem beibehalten (nicht öffnen!)
- Katheter so kurz wie möglich liegen lassen, Indikation täglich prüfen
- Sachgerechte Katheterpflege (Meatuspflege)
- Urinbeutel immer unterhalb der Blase positionieren (kein Rückfluss!)
- Aseptisches Arbeiten beim Anschließen/Wechseln
- Beutel nicht auf dem Boden abstellen
Dehydratation (Exsikkose)
- Flüssigkeitsmangel des Körpers
- Symptome: trockene Schleimhäute, stehende Hautfalten, Verwirrtheit, Schwäche, dunkler konzentrierter Urin
- Besonders gefährlich bei älteren Menschen (vermindertes Durstgefühl!)
Malnutrition (Mangelernährung)
- Zu wenig Energie und/oder Nährstoffe über längere Zeit
- Kann auch Normalgewichtige/Übergewichtige betreffen!
- Symptome: Gewichtsverlust, Muskelschwund, Wundheilungsstörungen, Infektanfälligkeit
- Höheres Alter (vermindertes Durst-/Hungergefühl)
- Schluckstörungen (Dysphagie)
- Demenz, kognitive Einschränkungen (vergisst zu essen/trinken)
- Depression, Appetitlosigkeit
- Medikamente (z. B. Diuretika erhöhen Flüssigkeitsverlust)
- Eingeschränkte Mobilität (kann sich nicht selbst versorgen)
- Erbrechen, Durchfall, Fieber (erhöhter Flüssigkeitsverlust)
- Einsamkeit, fehlende Unterstützung beim Einkaufen/Kochen
Flüssigkeitsprophylaxe
- Trinkprotokoll führen – Flüssigkeitsmenge dokumentieren
- Individuellen Trinkplan erstellen (über den Tag verteilt anbieten)
- Lieblingsgetränke anbieten, Trinkhilfen bereitstellen
- Erinnerung zum Trinken (bei Demenz/Vergesslichkeit)
- Regelmäßige Hautfaltenkontrolle, Beobachtung der Schleimhäute
Ernährungsprophylaxe
- Ernährungsprotokoll und regelmäßige Gewichtskontrolle
- MNA/NRS 2002 Screening zur Risikoeinschätzung
- Kleine, häufige Mahlzeiten statt 3 große
- Lieblingsspeisen berücksichtigen, appetitanregend anrichten
- Esshilfen bereitstellen (rutschfeste Unterlage, angepasstes Besteck)
- Ausreichend Zeit zum Essen geben, Hilfe beim Essen anbieten
- Bei Bedarf: angereicherte Kost, Trinknahrung nach ärztlicher Anordnung
| Begriff | Erklärung |
|---|---|
| Prophylaxe | Vorbeugende pflegerische Maßnahme zur Verhinderung eines vorhersehbaren gesundheitlichen Schadens |
| Dekubitus | Druckgeschwür durch Druck und/oder Scherkräfte über knöchernen Vorsprüngen |
| Prädilektionsstelle | Bevorzugte Stelle für die Entstehung eines Dekubitus (z.B. Os sacrum, Fersen) |
| Braden-Skala | Assessment-Instrument zur Einschätzung des Dekubitusrisikos (6 Kategorien, Score 6–23) |
| Mikrolagerung | Kleine Lageveränderung ohne vollständige Umlagerung zur Druckentlastung |
| Thrombus | Blutgerinnsel in einem Blutgefäß |
| Virchow-Trias | 3 Faktoren der Thromboseentstehung: Gefäßwandveränderung, Blutzusammensetzung, verlangsamter Blutfluss |
| Lungenembolie | Verschluss einer Lungenarterie durch einen losgerissenen Thrombus – Komplikation der Thrombose |
| Homans-Zeichen | Schmerz bei Dorsalflexion (Hochziehen) des Fußes – Hinweis auf TVT |
| MTPS | Medizinische Thromboseprophylaxestrümpfe – Kompressionsstrümpfe gegen Thrombose |
| Hypostatische Pneumonie | Lungenentzündung durch Sekretstau bei flacher Atmung/Immobilität |
| Aspirationspneumonie | Lungenentzündung durch Verschlucken/Einatmen von Fremdmaterial (Speichel, Nahrung) |
| VATI-Lagerung | 4 Dehnlagerungen (V-, A-, T-, I-Lagerung) zur gezielten Belüftung der Lunge |
| Triflow | Atemtrainer-Gerät zur Förderung der tiefen Einatmung |
| Timed-Up-and-Go-Test | Sturzrisiko-Test: Aufstehen, 3m gehen, umdrehen, hinsetzen – Zeit messen |
| Tinetti-Test | Assessment für Gleichgewicht und Gangbild zur Sturzrisikoeinschätzung |
| Hüftprotektor | Schutzpolster zur Vermeidung von Oberschenkelhalsfrakturen bei Sturz |
| Freiheitsentziehende Maßnahme (FEM) | Maßnahme die die Bewegungsfreiheit einschränkt (z.B. Bettgitter); bedarf rechtlicher Grundlage |
| Kontraktur | Dauerhafte Verkürzung von Muskeln/Sehnen/Gelenkkapseln → Bewegungseinschränkung |
| Spitzfuß | Kontraktur des Fußes in Plantarflexion (Zehen nach unten fixiert) |
| Funktionsstellung | Physiologische Mittelstellung eines Gelenks zur Lagerung |
| Soor | Pilzinfektion (meist Candida albicans) der Mundschleimhaut; weiße abwischbare Beläge |
| Parotitis | Entzündung der Ohrspeicheldrüse (Glandula parotidea) durch Speichelmangel |
| Intertrigo | Entzündliche Hautschädigung in Hautfalten durch Reibung + Feuchtigkeit + Wärme ("Hautwolf") |
| Obstipation | Verstopfung; erschwerte oder zu seltene (<3x/Woche) Stuhlentleerung |
| Koprostase | Stuhlstau im Darm als Folge unbehandelter Obstipation |
| Zystitis | Blasenentzündung, meist bakteriell (häufig E. coli) |
| Dysurie | Schmerzhaftes/erschwertes Wasserlassen |
| Pollakisurie | Häufiger Harndrang mit kleinen Urinmengen |
| Pyelonephritis | Nierenbeckenentzündung – aufsteigende Komplikation der Zystitis |
| Dehydratation / Exsikkose | Flüssigkeitsmangel des Körpers |
| Malnutrition | Mangelernährung – zu wenig Energie/Nährstoffe über längere Zeit |
| MNA | Mini Nutritional Assessment – Screening für Mangelernährungsrisiko bei Älteren |
| NRS 2002 | Nutritional Risk Screening – Ernährungsrisiko-Screening im Krankenhaus |
| Stehende Hautfalte | Klassisches Zeichen der Dehydratation: angehobene Hautfalte glättet sich nicht zurück |
| Pflegeprozess | 6-Schritte-Kreislauf (Informationssammlung, Diagnose, Ziele, Planung, Durchführung, Evaluation) als Grundlage jeder Prophylaxe |
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