✅ Das musst du können
- Gesundheitsförderung & Prävention unterscheiden
- Modell der Salutogenese vollständig erklären
- Kohärenzgefühl auf Pflegesituationen anwenden
- Den Pflegeprozess (6 Schritte) nennen & anwenden
- Primär-, Sekundär-, Tertiärprävention unterscheiden
- Resilienz & Schutzfaktoren erklären
🗺️ Navigation
- Patho & Saluto – zwei Denkmodelle
- Kohärenzgefühl – 3 Elemente + Pflege
- Stress – Eustress, Disstress, Stressoren
- Prävention – 3 Stufen + Gesundheitsförderung
- Resilienz – Modell + Schutzfaktoren
- Pflegeprozess – 6 Schritte, SMART, Pflegeprobleme
⚕️ Pathogenese – Was macht krank?
- Biomedizinische Sichtweise
- Risikofaktoren bekämpfen
- Ziel: Krankheit behandeln
- Beispiel 1: Patient raucht seit 20 Jahren → Lungenkrebs-Risiko → Rauchen = chemischer Risikofaktor → Medikamente + Chemo
- Beispiel 2: Herr M. hat Bluthochdruck (Risikofaktor physisch) → Antihypertensiva verschrieben
🌱 Salutogenese – Was hält gesund?
- Antonovsky (1923–1994)
- Ressourcen stärken statt Defizite bekämpfen
- Warum bleiben Menschen trotz Belastungen gesund?
- Beispiel 1: Pflegekraft hat täglich Stress – bleibt gesund durch starkes Kohärenzgefühl, Sport & Familie (Schutzfaktoren)
- Beispiel 2: Stefanie (Diabetes) lernt ihren Blutzucker zu verstehen und zu managen → Gesundheitspol rückt näher
Definition
- Pathos (griech.) = Leiden · Genesis = Entstehung
- Beschreibt wie und warum Menschen krank werden
- Risikofaktoren: Chemisch (Gifte) · Physikalisch (Lärm) · Biologisch (Bakterien)
- Gesundheit und Krankheit als strikte Gegensätze
⚠️ Kritik am Modell
- Mensch wird nicht ganzheitlich betrachtet
- Strikte Trennung Gesund/Krank – kein Kontinuum
- Soziale und psychische Faktoren fehlen
- Fokus auf Symptombehandlung, nicht auf Prävention
- Gefahr der Medikamentenabhängigkeit
Hintergrund
- Salus (lat.) = Heil/Gesund · Genesis = Entstehung · Aaron Antonovsky (1923–1994)
- Fragen: Warum bleiben Menschen gesund? Unter welchen Bedingungen? Welche Faktoren schützen Gesundheit?
1. Kohärenzgefühl
Innere Grundhaltung – 3 Elemente: Verstehbarkeit, Bewältigbarkeit, Sinnhaftigkeit (→ eigene Sektion)
2. Gesundheits-Krankheits-Kontinuum
Gesundheit und Krankheit als fließende Pole einer Skala – kein Entweder-Oder
3. Stressoren & Spannungszustände
Entscheidend: Gelingt die Bewältigung der Spannung?
4. Generalisierte Widerstandsressourcen
Schutzfaktoren, die Stressoren die schädliche Wirkung nehmen
Völlige
Gesundheit
(unerreichbar)
Jeder Mensch hat gleichzeitig gesunde und kranke Anteile. Die Frage: Wie nah ist man welchem Pol?
Völlige
Krankheit
(unerreichbar)
Individueller Faktor
- Körperliche Gesundheit
- Intelligenz
- Bewältigungsstrategien
- Wissen & Kompetenzen
Sozialer / kultureller Faktor
- Soziale Unterstützung (Familie, Freunde)
- Finanzielle Möglichkeiten
- Kulturelle Stabilität
- Soziales Netzwerk
🛡️ Prävention – Pathogenetisch
- Was macht krank? → vermeiden
- Risiken minimieren
- Fokus auf Krankheitsvermeidung
- Beispiele: Impfung, Prophylaxe, Mammographie, Dekubitusprophylaxe
🌱 Gesundheitsförderung – Salutogenetisch
- Was hält gesund? → stärken
- Ressourcen aufbauen
- Fokus auf Schutzfaktoren
- Beispiele: Sport, ausreichend Schlaf, gesunde Ernährung, Entspannung
| Merkmal | Prävention | Gesundheitsförderung |
|---|---|---|
| Blickwinkel | Pathogenetisch | Salutogenetisch |
| Leitfrage | Was macht krank? → vermeiden | Was hält gesund? → stärken |
| Strategie | Risiken minimieren | Ressourcen aufbauen |
| Beispiele | Impfung, Prophylaxe | Sport, Schlaf, Ernährung |
| Gemeinsames Ziel: Gesundheit erhalten oder verbessern | ||
Was ist das Kohärenzgefühl?
Die individuelle Grundhaltung gegenüber dem Leben und der Umwelt. Entwickelt sich in Kindheit und Jugend. Je mehr ein Mensch mit sich und der Umwelt stimmig ist, desto gesunder ist er oder desto schneller wird er gesund.
Definition
Fähigkeit, die Welt und eigene Erfahrungen zu verstehen – Eindrücke als Information verarbeiten, ohne überfordert zu sein.
🩺 Pflegebeispiel
Stefanie versteht, warum ihr Blutzucker schwankt und was Insulin bewirkt. → Pflegekraft erklärt Diagnose und Medikamentenplan verständlich – keine Fachsprache ohne Erklärung.
Definition
Überzeugung, Schwierigkeiten lösen zu können – weil man Ressourcen oder Hilfe hat. Nicht hilflos ausgeliefert sein.
🩺 Pflegebeispiel
Stefanie lernt Insulinspritzen, bis sie sich sicher fühlt. Pflegekraft übt gemeinsam. → Angehörige einbeziehen · Hilfsmittel bereitstellen · Selbstständigkeit stärken.
Definition
Überzeugung, dass das Leben sinnvoll ist und Anstrengungen sich lohnen. Positive Erwartung an die Zukunft. Ohne dieses Gefühl empfindet der Mensch das Leben als Last.
🩺 Pflegebeispiel
Stefanie will gesund bleiben, um Herzinfarkt vorzubeugen – die Therapietreue macht Sinn. → Individuelle Motivation erfragen · Therapieziele mit Lebenswünschen verbinden.
| Element | Pflegemaßnahme | Konkretes Beispiel |
|---|---|---|
| Verstehbarkeit | Diagnose, Medikamente, Therapieziele erklären | „Herr Müller, Ihr Insulin wirkt so: …" – mit Bildern erklären |
| Bewältigbarkeit | Techniken gemeinsam üben, Ressourcen aktivieren | Insulinspritzen täglich gemeinsam üben bis zur Sicherheit |
| Sinnhaftigkeit | Individuelle Motivation erfragen, Mut zusprechen | „Was ist Ihnen wichtig? Enkelin beim Einschulungsfest sehen?" |
Eustress – positiver Stress
- Als anregend und motivierend empfunden
- Steigert Leistung & Aufmerksamkeit
- Stärkt Selbstvertrauen, fördert Produktivität
- Wirkt gesundheitsfördernd bei häufigem Auftreten
Beispiele: Prüfung mit gutem Ergebnis · Urlaubsplanung · Sport
Disstress – negativer Stress
- Als überfordernd oder bedrohlich wahrgenommen
- Zu häufig / zu intensiv / zu lang · Kein Ausgleich
- Schwächt Psyche & Körper
- Chronisch → ernste Erkrankungen
Beispiele: Dauerkonflikte · täglicher Zeitdruck · Personalmangel
Körperlich
- Herzkrankheiten (Blutdruck → Gefäßschäden)
- Erkältungen / Herpes
- Verdauungsbeschwerden
- Rückenschmerzen (muskuläre Anspannung)
- Zähneknirschen · Übergewicht
Psychisch
- Schlafprobleme
- Konzentrationsprobleme
- Angstattacken
- Depressive Stimmung
- Burnout-Syndrom (Gipfel der Stressbelastung)
| Kategorie | Art | Beispiele |
|---|---|---|
| Chemisch | äußer | Drogen, Chemikalien, Schadstoffe |
| Physisch / körperlich | äußer | Hitze, Lärm, schlechte Ernährung, Krankheiten |
| Beruflich | äußer | Fließbandarbeit, Schichtarbeit, Zeitdruck, Über-/Unterforderung |
| Strukturell | äußer | Bürokratismus, Hierarchien, unklare Kompetenzen |
| Sozial | äußer | Konflikte, Verlust von Angehörigen, Isolation |
| Kulturell | inner | Rollenkonflikte, unterschiedliche Wertvorstellungen |
| Psychisch | inner | Übermotivation, Unsicherheit, Versagensangst |
Definition
Prävention = Vermeidung von Gesundheitsrisiken. Ziel: Erkrankungen, ihre Verbreitung und Auswirkungen auf Gesundheit vermeiden. Pathogenetische Sichtweise.
Primärprävention
Vor der Erkrankung
✅ Kein Problem
Ziel: Erkrankung verhüten
Impfung · Bewegung · Rauchstopp · Aufklärung
Pflege: Pneumonieprophylaxe (SMI-Atemübungen)
Sekundärprävention
Frühstadium
⚠️ Problem
Ziel: Früh erkennen & behandeln
Screenings · Routineuntersuchungen · Vitalzeichen
Pflege: Auskultation der Lunge
Tertiärprävention
Nach der Erkrankung
➕ Krank
Ziel: Folgen & Rückfall begrenzen
Reha · Prophylaxen · Nachsorge · Selbsthilfe
Pflege: V-A-T-I-Lagerung nach Pneumonie
| Ebene | Frage | Kategorien |
|---|---|---|
| Zeitpunkt | Wann? | Primär · Sekundär · Tertiär |
| Zielgruppe | Wen? | Gesamte Bevölkerung · Risikogruppe · Einzelne |
| Ansatz | Wie? | Verhaltensprävention · Verhältnisprävention |
Verhaltensprävention
Richtet sich an das individuelle Verhalten. Beispiele: Ernährungsberatung, Rauchstopp-Kurs, Bewegungsförderung
Verhältnisprävention
Richtet sich an Strukturen und Umwelt. Beispiele: Rauchfreie Arbeitsbereiche, gesundes Schulessen, sichere Arbeitsplätze
Definition Resilienz
Die psychische Widerstandsfähigkeit, selbst widrigste Lebenssituationen und hohe Belastungen ohne nachhaltige psychische Schäden zu bewältigen. Resilienz kann gestärkt werden.
Gemeinsamkeiten
- Beide stärken Widerstandsressourcen
- Stressoren als Ausgangspunkt – kein Schicksal
- Kohärenzgefühl schützt in beiden Modellen
- Veränderung ist möglich – nicht statisch
- Stärkenorientierung statt Defizitblick
🩺 Resilienz-Beispiele Pflege
- Beispiel 1: Herr Müller (Pneumonie) fürchtet Rückfall – Pflegekraft stärkt sein Vertrauen durch tägliche Atemübungen gemeinsam → Handhabbarkeit steigt
- Beispiel 2: Stefanie (Diabetes) zweifelt an Therapietreue – Pflegekraft bespricht Ziele, nennt Enkelin als Motivation → Sinnhaftigkeit = Schutzfaktor
Ressourcenorientiert pflegen
- Was kann der Patient noch? → fördern statt abnehmen
- Stärkt Selbstvertrauen und Sinnhaftigkeit
- Teilselbstständigkeit erhalten
Schutzfaktoren aktivieren
- Angehörige aktiv einbeziehen
- Familie & Freunde = wichtige Schutzfaktoren
- Soziale Isolation verhindern
Besteht jetzt gerade. Ist direkt beobachtbar oder vom Patienten geäußert.
Beispiel: Herr Müller hat aktuell Schmerzen (Schmerzskala 7/10) nach der OP und kann nicht selbst aufstehen.
Besteht noch nicht, aber das Risiko ist aufgrund bestimmter Faktoren erhöht.
Beispiel: Herr Müller ist bettlägerig → Risiko für Dekubitus (Dekubitusprophylaxe nötig).
Betrifft alle oder viele Patienten einer Station/Gruppe in ähnlicher Weise. Standardisierbar.
Beispiel: Alle bettlägerigen Patienten haben Sturzgefahr → Sturzprophylaxe für alle.
Der Patient äußert oder zeigt es nicht – muss aktiv entdeckt werden (z.B. durch Beobachtung, Einschätzungsinstrumente).
Beispiel: Patient zeigt keine Schmerzen, zieht sich aber zurück → verdeckte Depression oder Schmerzzustand.
Betrifft nur diesen einen Patienten aufgrund seiner spezifischen Situation, Biografie, Werte oder Präferenzen.
Beispiel: Herr Müller ist gläubiger Muslim → Mahlzeiten müssen Halal sein; Körperpflege nur von männlicher Pflegekraft.
❌ Schlecht: „Der Patient soll mehr laufen."
✅ SMART: „Herr Müller wird bis zum 30.12. täglich 2× (terminiert) 50 Meter (messbar) eigenständig (spezifisch) auf dem Stationsflur (spezifisch) mit Rollator (realistisch) gehen können, was seinem Wunsch nach mehr Eigenständigkeit entspricht (attraktiv)."
❓ Was?
Welche Pflegemaßnahme wird durchgeführt?
Beispiel: Lagerungswechsel alle 2 Stunden
❓ Warum?
Begründung – Ziel der Maßnahme
Beispiel: Dekubitusprophylaxe, Druckentlastung
❓ Wie?
Durchführungsweise, Technik, Hilfsmittel
Beispiel: A-Lagerung mit Kissen lt. Standard
❓ Wer?
Wer führt die Maßnahme durch?
Beispiel: Pflegefachkraft / Pflegehilfskraft
❓ Wann?
Zeitpunkt / Häufigkeit
Beispiel: 06:00, 08:00, 10:00 Uhr – alle 2h
❓ Wie oft?
Frequenz und Dauer
Beispiel: 12× täglich, je 5 Minuten
📄 Dokumentation der Pflegemaßnahmen
- Alle geplanten Maßnahmen werden in der Pflegeplanung schriftlich festgehalten
- Nach der Durchführung: Pflegebericht / Verlaufsdokumentation – was wurde wann wie gemacht?
- Abweichungen und besondere Beobachtungen ebenfalls dokumentieren
- Dokumentation ist rechtlich bindend – „was nicht dokumentiert ist, wurde nicht gemacht"
- Evaluation: War die Maßnahme wirksam? → Anpassung bei Bedarf
Gesundheit (WHO 1946)
„Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheit und Gebrechen."
- Umfasst Körper, Seele und soziales Miteinander
- Wird von Person zu Person unterschiedlich wahrgenommen
Krankheit (BGH 1958)
„Jede Störung der normalen Beschaffenheit oder der normalen Tätigkeit des Körpers, die geheilt, d.h. beseitigt oder gelindert werden kann."
- Körper oder Geist funktionieren nicht richtig
- Subjektives Empfinden spielt eine Rolle
Pflegebedürftigkeit (§ 14 SGB XI)
Personen mit gesundheitlich bedingten Beeinträchtigungen der Selbständigkeit, die dauerhaft Hilfe durch andere benötigen.
- Körperlich, kognitiv oder psychisch beeinträchtigt
- Muss dauerhaft bestehen – mindestens 6 Monate
- Nicht altersabhängig – kann jeden treffen
| Begriff | Erklärung |
|---|---|
| Pathogenese | Entstehung von Krankheit (pathos = Leiden, genesis = Entstehung) |
| Salutogenese | Entstehung von Gesundheit (salus = Heil) |
| Kohärenzgefühl | Innere Grundhaltung: Verstehbarkeit · Bewältigbarkeit · Sinnhaftigkeit |
| Kontinuum | Fließende Skala zwischen zwei Polen – kein Entweder/Oder |
| Eustress | Positiver, motivierender Stress |
| Disstress | Negativer, schädlicher Stress |
| Resilienz | Psychische Widerstandsfähigkeit gegenüber Belastungen |
| Primärprävention | Vorbeugung vor Erkrankung bei Gesunden |
| Sekundärprävention | Früherkennung im Frühstadium |
| Tertiärprävention | Rehabilitation nach Erkrankung |
| Verhaltensprävention | Prävention durch Verhaltensänderung des Individuums |
| Verhältnisprävention | Prävention durch Änderung von Strukturen und Umwelt |
| Pflegeprozess | 6-schrittiger systematischer Kreislauf der Pflege |
| SMART | Spezifisch · Messbar · Attraktiv · Realistisch · Terminiert |
| Aktuelles Pflegeproblem | Besteht jetzt – direkt beobachtbar |
| Potenzielles Pflegeproblem | Besteht noch nicht – Risiko erhöht |
| Generelles Pflegeproblem | Betrifft viele/alle Patienten einer Gruppe |
| Verdecktes Pflegeproblem | Nicht sichtbar – muss aktiv entdeckt werden |
| Individuelles Pflegeproblem | Nur diesen Patienten betreffend (Biografie, Werte) |
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