Infektionskette · Übertragungswege · Erreger · Prophylaxe · Antibiotika
Definition & Grundbegriffe
Was ist eine Infektionskrankheit?
= Krankheit durch das Eindringen von
Krankheitserregern
(Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten) in den Körper → Erreger vermehren sich → Krankheitssymptome entstehen
Exogene Infektion
Erreger dringt von außen in den Körper ein
- Grippe durch Tröpfcheninfektion
- Wundinfektion nach OP
- Lebensmittelvergiftung (Salmonellen)
Endogene Infektion
Körpereigene Keime (Standortflora) verursachen Infektion
- Harnwegsinfekt durch E. coli
- Pneumonie bei Bettlägerigen
- Pilzinfektion bei Immunschwäche
Nosokomial = im Krankenhaus erworben · Iatrogen = durch medizinische Maßnahmen verursacht · Opportunistische Infektion = Erreger der normalerweise harmlos ist, macht bei geschwächtem Immunsystem krank
Die Infektionskette
Aufbau der Infektionskette
Infektionskette
= Weg der Weitergabe eines Infektionserregers vom Wirt/Reservoir bis zum neuen Wirt, bestehend aus: Infektionsquelle → Übertragungsweg → EmpfängerInfektionsquellen
Kette unterbrechen — Maßnahmen
🧤 Schutzausrüstung
- Maske tragen
- Handschuhe
- Schutzkleidung (PSA)
🧼 Hygiene
- Desinfektion
- Basis-Hygiene
- Abstand halten
💉 Immunschutz
- Impfungen
- Immunsystem stärken
- Isolierung
Vektoren = Überträger wie Mücken, Zecken, Ratten — sie selbst erkranken nicht, übertragen aber den Erreger (z.B. Mücke → Malaria, Zecke → FSME/Borreliose). Reservoir = Ort, wo sich Erreger dauerhaft halten (z.B. Legionellen in Wasserleitungen).
Infektions- & Übertragungswege
Die 6 Hauptübertragungswege
Tröpfcheninfektion
Erregerhaltige Tröpfchen aus Mund/Nase beim Husten, Niesen, Sprechen · relativ kurze Distanz (<2m)
Beispiele: Grippe (Influenza), COVID-19
Kontakt- / Schmierinfektion
Keime durch direkten Hautkontakt ODER kontaminierte Oberflächen (Türklinken, Hände)
Beispiele: Pilze, Noroviren, MRSA
Perkutane Infektion
Keime gelangen durch die Haut direkt ins Blut/Gewebe: Insektenstiche (Vektoren), infizierte Kanüle, Wunden
Beispiele: Malaria, HIV, Hepatitis B/C
Orale / Lebensmittelinfektion (fäkal-oral)
Erreger werden mit Nahrung/Wasser aufgenommen · oft über verunreinigte Hände (fäkal-oral)
Beispiele: Salmonellen, Hepatitis A, Cholera
Sexuelle Übertragung
Erreger werden beim sexuellen Kontakt durch Körperflüssigkeiten übertragen
Beispiele: HIV/AIDS, Syphilis, Tripper (Gonorrhö)
Aerogene Übertragung (Luft)
Erreger schweben als Aerosole lange Zeit in der Luft · über größere Distanzen · eingeatmet
Beispiele: Masern, Tuberkulose, Windpocken
MRSA = Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus · multiresistenter Keim · überwiegend Kontaktinfektion · Isolierungspflicht im Krankenhaus! Nosokomiale Infektionen entstehen häufig durch mangelhafte Händehygiene des Personals.
Krankheitserreger im Vergleich
Bakterien, Viren & Pilze
| Eigenschaft | 🦠 Bakterien | 🔬 Viren | 🍄 Pilze (Fungi) |
|---|---|---|---|
Zellkern |
Keiner (Prokaryoten) |
Kein eigener Stoffwechsel |
Vorhanden (Eukaryoten) |
Vermehrung |
Zellteilung (eigenständig) |
Braucht Wirtszelle! |
Sporenbildung |
Medikament |
Antibiotika |
Virustatika (Antivirale) |
Antimykotika |
Beispiele |
Scharlach, TBC, MRSA, Salmonellen |
AIDS, Herpes, Masern, COVID |
Fußpilz, Soorpilz (Candida) |
Besonderheit |
Auch nützliche Bakterien (Darmflora!) |
Wirtszelle platzt → Ausbreitung |
Wächst in warm + feucht |
Virusvermehrung — Die 4 Schritte
1️⃣
Andocken
Virus heftet sich an Wirtszelle
2️⃣
Eindringen
Erbsubstanz gelangt ins Innere
3️⃣
Vermehrung
Wirtszelle produziert neue Viren
4️⃣
Ausbruch
Wirtszelle platzt → Viren frei
Pilzinfektionen — Symptome & Stellen
Symptome: Hautveränderungen (Rötung, weißer Belag) · Nässen · starker Juckreiz · Brennen
Stellen: Füße · Nägel · Magen-Darm-Trakt · Schleimhäute · Hautfalten
- Bakterienformen: Kokken (rund), Bazillen (stäbchenförmig), Spirillen (spiral), Vibrionen (kommaförmig)
- Viren bestehen aus einer Proteinhülle (Kapsid) + Erbgut (DNA oder RNA) — kein eigener Stoffwechsel!
- Pilzinfektion bei geschwächtem Immunsystem (z.B. nach Antibiotikagabe, bei HIV, bei Chemotherapie) → besonders Candida albicans (Soorpilz) häufig in der Pflege!
Infektionsprophylaxe
Expositions- vs. Dispositionsprophylaxe
🛡️ Expositionsprophylaxe
Kontakt mit Erregern vermeiden — Erreger soll den Menschen gar nicht erst erreichen
- Händehygiene + Desinfektion
- Mundschutz, Handschuhe, Kittel
- Isolierung infektiöser Patienten
- Sauberes Trinkwasser
- Kondome (STI-Schutz)
💪 Dispositionsprophylaxe
Empfänglichkeit für Infektionen verringern — Körper widerstandsfähiger machen
- Schutzimpfungen (Masern, Grippe, Hep-B)
- Gesunde Ernährung + Bewegung
- Vitamin- und Nährstoffzufuhr
- Stressabbau, ausreichend Schlaf
- Medikamentöse Prophylaxe (z.B. Malaria)
Im Pflegealltag sind beide Prophylaxearten entscheidend: Expositionsprophylaxe schützt die Pflegekraft UND den Patienten vor Keimübertragung (Standardhygiene, PSA). Dispositionsprophylaxe stärkt den Patienten (Impfungen, Ernährung, Mobilisation). Beide ergänzen sich!
Antibiotika — Wirkung, Resistenz & Pflege
Antibiotika verstehen
= gegen Bakterien wirksame Arzneimittel · hemmen Wachstum (Bakteriostase) oder töten Bakterien ab (Bakterizidie) · nutzen Unterschiede zwischen menschlicher und Bakterienzelle ·
NICHT wirksam gegen Viren!
Antibiotikaresistenz
Kann ein Antibiotikum Erreger nicht schädigen = Resistenz. Entsteht durch:
• Natürliche Mutation
• Übertragung von Bakterien-DNA
• Multiresistenz (MRE) = gegen mehrere Antibiotika unempfindlich → wachsendes Problem!
• Häufige Ursache: Antibiotika nicht vollständig eingenommen
Nebenwirkungen
• Schädigung der Standortflora (Darm, Haut, Schleimhaut)
• Durchfall (Diarrhö) — meist leicht, kann schwer sein
• C.-difficile-Diarrhö = gefährlich, auf blutige Stühle achten!
• Pilzinfektionen (Soor)
• Substanzspezifische Nebenwirkungen
Pflegerelevanz — Was Pflegekräfte beachten müssen
| Punkt | Was zu beachten ist |
|---|---|
Dosierung |
Genaue Einhaltung von Dosierung UND Intervall · „3× täglich» = alle 8 Stunden! |
Einnahme |
Einnahmezeitpunkt + Wechselwirkungen mit Nahrungsmitteln beachten (Packungsbeilage) |
Beobachtung |
Ausscheidungen beobachten · leichte Durchfälle meist harmlos · bei blutigen Durchfällen sofort Arzt! |
Resorption |
Durchfall + Erbrechen können Resorption vermindern → Arzt informieren |
Resistenzschutz |
Antibiotika IMMER vollständig einnehmen, auch wenn Symptome bereits verschwunden! |
- MRSA = Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus — häufigster multiresistenter Keim in Kliniken. Isolierung + Schutzausrüstung zwingend erforderlich.
- VRE = Vancomycin-resistente Enterokokken — ebenfalls meldepflichtig und isolierungspflichtig.
- 3MRGN / 4MRGN = gramnegative Bakterien mit 3 bzw. 4 Resistenzen — gefährlichste Problemkeime.
