Thrombus · Virchow-Trias · Lungenembolie · Prophylaxemaßnahmen · Kompressionsstrümpfe
Definition — Was ist eine Thrombose?
Thrombose & Thrombus
Ziel der Thromboseprophylaxe: Thrombose sowie deren Komplikationen und Langzeitfolgen verhindern
❌ Was passiert bei Thrombose?
- Blutplättchen verkleben in Vene
- Gerinnsel (Thrombus) entsteht
- Blutfluss gehemmt oder gestoppt
- Gewebe wird nicht mehr ausreichend durchblutet
- Teile können sich ablösen → Embolie!
✅ Warum entstehen Venenklappen-Thrombosen?
- Venen transportieren mit Klappen Blut zum Herz
- Bei langsamem Blutfluss → Plättchen verkleben
- Besonders in tiefen Beinvenen gefährlich
- = Tiefe Beinvenenthrombose (TVT)
Tiefe Beinvenenthrombose (TVT) = häufigste Form der Thrombose in der Pflege. Besonders betroffen: Venen der Waden (V. poplitea, V. femoralis). Phlebothrombose = Thrombose in einer tiefen Vene ohne Entzündung. Thrombophlebitis = Thrombose einer oberflächlichen Vene MIT Entzündung.
Risikofaktoren für Thrombosen
Wer ist besonders gefährdet?
🚬 Lebensstil
- Rauchen
- Übergewicht (Adipositas)
- Langes Sitzen (Flugreise, Büro)
- Flüssigkeitsmangel
⚕️ Medizinisch
- Bettlägerigkeit / Immobilität
- Operationen (bes. Hüfte, Knie)
- Schwangerschaft + Wochenbett
- Herzinsuffizienz, Lähmungen
- Tumorerkrankungen
- Krampfadern (Varizen)
💊 Medikamente / Angeboren
- Antibabypille (Östrogen)
- Angeborene Gerinnungsstörungen
- Faktor-V-Leiden-Mutation
- Antiphospholipid-Syndrom
Das Thromboserisiko wird in der Pflege systematisch eingeschätzt — z.B. mit dem Caprini-Score (chirurgisch) oder dem Padua-Score (internistisch). Je höher der Score, desto intensiver die prophylaktischen Maßnahmen. Gips erhöht das Thromboserisiko erheblich, da er Muskelpumpe und Bewegung blockiert!
Die Virchow-Trias
3 Faktoren der Thromboseentstehung
🌊 1. Verlangsamter Blutfluss (Stase)
Blut fließt zu langsam oder staut sich → kann leichter gerinnen
Ursachen: Bettlägerigkeit · Immobilität · langes Sitzen · Lähmungen · Herzinsuffizienz · Varizen
→ Frühmobilisation! Bewegungsübungen!
🔬 2. Gefäßwandschädigung (Endothelschaden)
Innere Gefäßwand verletzt → Gerinnung wird ausgelöst
Ursachen: Operationen · Verletzungen · Venenkatheter · Injektionen · Entzündungen · Arteriosklerose
→ Fachgerechter Umgang mit Zugängen!
🩸 3. Veränderte Blutzusammensetzung (Hyperkoagulabilität)
Blut ist „dicker» oder gerinnt schneller als normal
Ursachen: Dehydratation · Schwangerschaft · Pille · Tumore · angeborene Gerinnungsstörungen · Rauchen
→ Ausreichend trinken! Risiko erkennen!
Rudolf Virchow (1821–1902) war ein deutscher Arzt und Pathologe. Seine Trias gilt bis heute als Grundlage des Thromboseverständnisses. In der Pflege ist die Virchow-Trias essentiell: Jede der drei Ursachen lässt sich durch pflegerische Maßnahmen positiv beeinflussen!
Symptome der Thrombose
Erkennen einer (Bein-) Thrombose
Klassische Zeichen (tiefe Beinvenenthrombose)
| Symptom | Beschreibung |
|---|---|
| Schmerzen | Meist in Wade, Kniekehle oder Oberschenkel |
| Schwellung | Ödem des betroffenen Beins |
| Spannungsgefühl | Schweres, gespanntes Gefühl im Bein |
| Überwärmung | Betroffene Stelle fühlt sich wärmer an |
| Rötung | Haut über dem Thrombus oft gerötet |
| Wadenschmerz | Schmerz bei Dorsalflexion des Fußes (Homans-Zeichen) |
Pflegerische Beobachtung
- Beine täglich vergleichend inspizieren
- Umfangmessung (Seitenvergleich!)
- Hautfarbe + Temperatur beobachten
- Schmerzenäußerungen ernst nehmen
- Homans-Zeichen kennen (aber: nicht selbst testen → Emboliegefahr!)
- Bei Verdacht → sofort Arzt informieren!
Der Wells-Score ist ein klinisches Scoring-System zur Einschätzung der Thrombosewahrscheinlichkeit. Er wird vom Arzt erhoben und berücksichtigt Symptome, Risikofaktoren und Alternativen zur Diagnose. Bei hohem Score: Ultraschall (Kompressionssonographie) + D-Dimer-Bluttest zur Sicherung der Diagnose.
Lungenembolie — Die gefährlichste Komplikation
Von der Thrombose zur Lungenembolie
Symptome der Lungenembolie
Sofortmaßnahmen bei Verdacht
- Notruf / Arzt sofort alarmieren
- Patient nicht alleine lassen
- Oberkörperhochlage (30–45°)
- Beine NICHT hochlagern (weiterer Embolus!)
- Sauerstoff geben (nach Standard)
- Vitalzeichen überwachen
- Dokumentation + Übergabe
- Massivembolie = Verschluss großer Lungenarterien → sofortiger Kreislaufstillstand möglich → Reanimation nötig
- Kleine Embolie kann stumm verlaufen (Zufallsbefund im CT)
- Diagnose: CT-Pulmonalisangiographie (Goldstandard), D-Dimer, EKG (S1Q3-Muster)
- Therapie: Antikoagulation (Heparin, DOAK), bei Massivembolie Lyse oder OP
Thromboseprophylaxe — Maßnahmen
Überblick aller Prophylaxemaßnahmen
| Maßnahme | Beschreibung | Ziel (Virchow) |
|---|---|---|
| Frühmobilisation | So früh wie möglich nach OP/Erkrankung aufstehen und bewegen · auch im Bett: Fuß-/Beinübungen | Stase ↓ |
| Bewegungsübungen | Zehengymnastik, Fußkreisen, Knie beugen — auch im Bett oder Sitzen. Muskelpumpe aktivieren! | Stase ↓ |
| Ausreichend trinken | Mind. 1,5–2 l täglich (altersgerecht) → Blut fließfähiger halten | Hyperkoag. ↓ |
| Kompressionsmaßnahmen | Anti-Thrombose-Strümpfe (ATS), Medizinische Kompressionsstrümpfe (MKS), Wickelung nach Fischer/Püter | Stase ↓ |
| Medikamentöse Prophylaxe | Niedermolekulares Heparin (s.c.) oder DOAK (oral) nach ärztl. Anordnung · nur bei erhöhtem Risiko | Hyperkoag. ↓ |
| Lagerung | Beine leicht erhöht lagern (10–20°) zur Verbesserung des Rückflusses · Beine nicht überstrecken | Stase ↓ |
| Intermittierende pneumatische Kompression (IPK) | Manschetten an Beinen/Waden pumpen sich auf/ab → mechanische Muskelpumpe simulieren (besonders bei OPs) | Stase ↓ |
| Patientenedukation | Aufklärung über Risiken, Selbsthilfe (Beinübungen, Trinken), Symptome erkennen und melden | Alle 3 |
Bewegungsübungen im Detail (Aktivierung der Muskelpumpe)
🦵
Fußkreisen
Im Kreis drehen, beide Richtungen · 10× je Richtung
👟
Zehenheben
Fersen am Boden, Zehen heben und senken · 20×
🏋️
Kniebeugen/Strecken
Im Sitzen: Beine strecken und beugen · 10×
Die Muskelpumpe ist der wichtigste physiologische Mechanismus gegen Thrombosen: Wenn Muskeln sich zusammenziehen, pressen sie Blut aus den Beinvenen Richtung Herz. Bei Immobilität fehlt diese Pumpe → Blut staut sich → Thromboserisiko steigt dramatisch. Schon 10 Minuten Fuß-/Beinübungen im Bett reduzieren das Risiko erheblich!
Kompressionsstrümpfe & Wickelverbände
Arten & Unterschiede
ATS (Anti-Thrombose-Strumpf)
= Liegestrumpf · Klasse 1 (18 mmHg) · Nur im Liegen! · Für immobile Patienten
→ Nicht zum Laufen geeignet!
MTS (Med. Thrombose-Strumpf)
= wie ATS, zur prophylaktischen Druckunterstützung im Krankenhaus
MKS (Med. Kompressionsstrumpf)
= Laufstrumpf · Klassen 1–4 (18–60 mmHg) · Im Alltag, beim Gehen
→ Für mobile Patienten!
Wickelung nach Fischer
Spiralförmige Wickelung · einfache Technik · gleichmäßiger Druck
Wickelung nach Püter
Tourenartige Wickelung · für unregelmäßige Extremitäten · Abstufbarer Druck
Kompressionsklassen (MKS)
| Klasse | Druck (mmHg) | Indikation |
|---|---|---|
| Klasse 1 | 18–21 mmHg | Leichte Venenschwäche, Prophylaxe, Schwangerschaft |
| Klasse 2 | 23–32 mmHg | Ausgeprägte Varikose, nach Thrombose |
| Klasse 3 | 34–46 mmHg | Schwere Venenleiden, postthrombotisches Syndrom |
| Klasse 4 | >49 mmHg | Schwerste Formen, Lymphödem |
Kontraindikationen für Kompressionsstrümpfe
- ATS immer morgens vor dem Aufstehen anziehen (Beine noch nicht geschwollen) und abends beim Schlafengehen wieder ausziehen
- Strümpfe täglich auf Sitz und Hautzustand kontrollieren — Einschnüren, Falten oder Druckstellen sofort korrigieren!
- Bei pAVK (schlechte Durchblutung) sind Kompressionsstrümpfe absolut kontraindiziert → Perfusion würde weiter verschlechtert
